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Эл. №ФС77-60625 от 20.01.2015
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Презентация по немецкому языку «Lieblingsmärchen der Brüder Grimm»



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  • Иностранные языки

Название документа 1. Сладкая каша.doc

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Der süße Brei


Es war einmal ein armes frommes Mädchen,

das lebte mit seiner Mutter allein,

und sie hatten nichts mehr zu essen.

Da ging das Kind hinaus in den Wald,

und dort begegnete ihm eine alte Frau,

die wusste seinen Jammer schon

und schenkte ihm ein Töpfchen,

zu dem sollte es sagen: »Töpfchen, koche«,

so kochte es guten süßen Hirsebrei,

und wenn es sagte: »Töpfchen, steh«,

so hörte es wieder auf zu kochen.

Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim,

und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig

und aßen süßen Brei, sooft sie wollten.

Auf eine Zeit war das Mädchen ausgegangen,

da sprach die Mutter: »Töpfchen, koche«,

da kocht es, und sie isst sich satt;

nun will sie, dass das Töpfchen wieder aufhören soll,

aber sie weiß das Wort nicht.

Also kocht es fort,

und der Brei steigt über den Rand hinaus

und kocht immerzu,

die Küche und das ganze Haus voll,

und das zweite Haus und dann die Straße,

als wollt’s die ganze Welt satt machen,

und ist die größte Not,

und kein Mensch weiß sich da zu helfen.

Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig ist,

da kommt das Kind heim

und spricht nur: »Töpfchen, stehe«,

da steht es und hört auf zu kochen;

und wer wieder in die Stadt wollte,

der musste sich durchessen.

1

Название документа 10.Гензель и Гретель.doc

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Hänsel und Gretel


Vor einem großen Walde

wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern;

das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel.

Er hatte wenig zu beißen und zu brechen,

und einmal, als große Teuerung ins Land kam,

konnte er das tägliche Brot nicht mehr schaffen.

Wie er sich nun abends im Bette Gedanken machte

und sich vor Sorgen herumwälzte,

seufzte er und sprach zu seiner Frau:

»Was soll aus uns werden?

Wie können wir unsere armen Kinder ernähren,

da wir für uns selbst nichts mehr haben?«

»Weißt du was, Mann«, antwortete die Frau,

»wir wollen morgen in aller Frühe

die Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist:

da machen wir ihnen ein Feuer an

und geben jedem noch ein Stückchen Brot,

dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein.

Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus,

und wir sind sie los.«

»Nein, Frau«, sagte der Mann, »das tue ich nicht;

wie sollt’ ich’s übers Herz bringen,

meine Kinder im Walde allein zu lassen!

Die wilden Tiere würden bald kommen und sie zerreißen.«

»O du Narr«, sagte sie,

»dann müssen wir alle viere Hungers sterben,

du kannst nur die Bretter für die Särge hobeln«,

und ließ ihm keine Ruhe, bis er einwilligte.

»Aber die armen Kinder dauern mich doch«, sagte der Mann.


Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einschlafen können

und hatten gehört, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte.

Gretel weinte bittere Tränen und sprach zu Hänsel:

»Nun ist’s um uns geschehen.«

»Still, Gretel«, sprach Hänsel,

»gräme dich nicht, ich will uns schon helfen.«

Und als die Alten eingeschlafen waren,

stand er auf, zog sein Röcklein an,

machte die Untertüre auf und schlich sich hinaus.

Da schien der Mond ganz hell,

und die weißen Kieselsteine, die vor dem Haus lagen,

glänzten wie lauter Batzen.

Hänsel bückte sich und steckte so viele in sein Rocktäschlein,

als nur hinein wollten.

Dann ging er wieder zurück, sprach zu Gretel:

»Sei getrost, liebes Schwesterchen, und schlaf nur ruhig ein,

Gott wird uns nicht verlassen«,

und legte sich wieder in sein Bett.


Als der Tag anbrach,

noch ehe die Sonne aufgegangen war,

kam schon die Frau und weckte die beiden Kinder:

»Steht auf, ihr Faulenzer,

wir wollen in den Wald gehen und Holz holen.«

Dann gab sie jedem ein Stückchen Brot und sprach:

»Da habt ihr etwas für den Mittag,

aber eßt’s nicht vorher auf, weiter kriegt ihr nichts.«

Gretel nahm das Brot unter die Schürze,

weil Hänsel die Steine in der Tasche hatte.

Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Wald.

Als sie ein Weilchen gegangen waren,

stand Hänsel still und guckte nach dem Haus zurück

und das tat wieder und immer wieder.

Der Vater sprach:

»Hänsel, was guckst du da und bleibst zurück,

hab acht und vergiss deine Beine nicht!«

»Ach, Vater«, sagte Hänsel,

»ich sehe nach meinem weißen Kätzchen,

das sitzt oben auf dem Dach und will mir ade sagen.«

Die Frau sprach:

»Narr, das ist dein Kätzchen nicht,

das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein scheint.«

Hänsel aber hatte nicht nach dem Kätzchen gesehen,

sondern immer einen von den blanken Kieselsteinen

aus seiner Tasche auf den Weg geworfen.


Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater:

»Nun sammelt Holz, ihr Kinder,

ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.«

Hänsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch.

Das Reisig ward angezündet,

und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau:

»Nun legt euch ans Feuer, ihr Kinder, und ruht euch aus,

wir gehen in den Wald und hauen Holz.

Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab.«


Hänsel und Gretel saßen um das Feuer,

und als der Mittag kam, aß jedes sein Stücklein Brot.

Und weil sie die Schläge der Axt hörten,

so glaubten sie, ihr Vater wär’ in der Nähe.

Es war aber nicht die Holzaxt,

es war ein Ast,

den er an einen dürren Baum gebunden hatte

und den der Wind hin und her schlug.

Und als sie so lange gesessen hatten,

fielen ihnen die Augen vor Müdigkeit zu,

und sie schliefen fest ein.

Als sie endlich erwachten,

war es schon finstere Nacht.

Gretel fing an zu weinen und sprach:

»Wie sollen wir nun aus dem Wald kommen!«

Hänsel aber tröstete sie:

»Wart nur ein Weilchen, bis der Mond aufgegangen ist,

dann wollen wir den Weg schon finden.«

Und als der volle Mond aufgestiegen war,

so nahm Hänsel sein Schwesterchen an der Hand

und ging den Kieselsteinen nach,

die schimmerten wie neugeschlagene Batzen

und zeigten ihnen den Weg.

Sie gingen die ganze Nacht hindurch

und kamen bei anbrechendem Tag wieder zu ihres Vaters Haus.

Sie klopften an die Tür,

und als die Frau aufmachte und sah,

dass es Hänsel und Gretel waren,

sprach sie:

»Ihr bösen Kinder, was habt ihr so lange im Walde geschlafen,

wir haben geglaubt, ihr wolltet gar nicht wiederkommen.«

Der Vater aber freute sich,

denn es war ihm zu Herzen gegangen,

dass er sie so allein zurückgelassen hatte.


Nicht lange danach war wieder Not in allen Ecken,

und die Kinder hörten,

wie die Mutter nachts im Bette zu dem Vater sprach:

»Alles ist wieder aufgezehrt,

wir haben noch einen halben Laib Brot,

hernach hat das Lied ein Ende.

Die Kinder müssen fort,

wir wollen sie tiefer in den Wald hineinführen,

damit sie den Weg nicht wieder herausfinden;

es ist sonst keine Rettung für uns.«

Dem Mann fiel’s schwer aufs Herz,

und er dachte:

»Es wäre besser, dass du den letzten Bissen mit deinen Kindern teiltest.«

Aber die Frau hörte auf nichts, was er sagte,

schalt ihn und machte ihm Vorwürfe.

Wer A sagt, muss auch B sagen,

und weil er das erste Mal nachgegeben hatte,

so musste er es auch zum zweiten Mal.


Die Kinder waren aber noch wach gewesen

und hatten das Gespräch mit angehört.

Als die Alten schliefen, stand Hänsel wieder auf,

wollte hinaus und die Kieselsteine auflesen, wie das vorige Mal;

aber die Frau hatte die Tür verschlossen,

und Hänsel konnte nicht heraus.

Aber er tröstete sein Schwesterchen und sprach:

»Weine nicht, Gretel, und schlaf nur ruhig,

der liebe Gott wird uns schon helfen.«


Am frühen Morgen kam die Frau und holte die Kinder aus dem Bette.

Sie erhielten ihr Stückchen Brot,

das war aber noch kleiner als das vorige Mal.

Auf dem Wege nach dem Wald bröckelte es Hänsel in der Tasche,

stand oft still und warf ein Bröcklein auf die Erde.

»Hänsel, was stehst du und guckst dich um?«

sagte der Vater,

»geh deiner Wege.«

»Ich sehe nach meinem Täubchen,

das sitzt auf dem Dache und will mir ade sagen«,

antwortete Hänsel.

»Narr«, sagte die Frau, »das ist dein Täubchen nicht,

das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein oben scheint.«

Hänsel aber warf nach und nach alle Bröcklein auf den Weg.


Die Frau führte die Kinder noch tiefer in den Wald,

wo sie ihr Lebtag noch nicht gewesen waren.

Da ward wieder ein großes Feuer angemacht,

und die Mutter sagte:

»Bleibt nur da sitzen, ihr Kinder,

und wenn ihr müde seid, könnt ihr ein wenig schlafen.

Wir gehen in den Wald und hauen Holz,

und abends, wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab.«

Als es Mittag war, teilte Gretel ihr Brot mit Hänsel,

der sein Stück auf den Weg gestreut hatte.

Dann schliefen sie ein, und der Abend verging;

aber niemand kam zu den armen Kindern.

Sie erwachten erst in der finstern Nacht,

und Hänsel tröstete sein Schwesterchen und sagte:

»Wart nur, Gretel, bis der Mond aufgeht,

dann werden wir die Brotbröcklein sehen,

die ich ausgestreut habe,

die zeigen uns den Weg nach Haus.«

Als der Mond kam, machten sie sich auf,

aber sie fanden kein Bröcklein mehr,

denn die vieltausend Vögel,

die im Walde und im Felde umherfliegen,

die hatten sie weggepickt.

Hänsel sagte zu Gretel:

»Wir werden den Weg schon finden«,

aber sie fanden ihn nicht.

Sie gingen die ganze Nacht

und noch einen Tag von Morgen bis Abend,

aber sie kamen aus dem Wald nicht heraus

und waren so hungrig,

denn sie hatten nichts als die paar Beeren,

die auf der Erde standen.

Und weil sie so müde waren,

dass die Beine sie nicht mehr tragen wollten,

so legten sie sich unter einen Baum und schliefen ein.


Nun war’s schon der dritte Morgen,

dass sie ihres Vaters Haus verlassen hatten.

Sie fingen wieder an zu gehen,

aber sie gerieten immer tiefer in den Wald,

und wenn nicht bald Hilfe kam, mussten sie verschmachten.

Als es Mittag war,

sahen sie ein schönes, schneeweißes Vögelein

auf einem Ast sitzen,

das sang so schön, dass sie stehen blieben und ihm zuhörten.

Und als es fertig war,

schwang es seine Flügel und flog vor ihnen her,

und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem Häuschen gelangten,

auf dessen Dach es sich setzte,

und als sie ganz nahe herankamen, so sahen sie,

dass das Häuslein aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt;

aber die Fenster waren von hellem Zucker.

»Da wollen wir uns dranmachen«, sprach Hänsel,

»und eine gesegnete Mahlzeit halten.

Ich will ein Stück vom Dach essen,

Gretel, du kannst vom Fenster essen, das schmeckt süß.«

Hänsel reichte in die Höhe und brach sich ein wenig vom Dach ab,

um zu versuchen, wie es schmeckte,

und Gretel stellte sich an die Scheiben und knupperte daran.

Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus:

»Knupper, knupper, kneischen,

Wer knuppert an meinem Häuschen?«

Die Kinder antworteten:

»Der Wind, der Wind,

Das himmlische Kind«,

und aßen weiter, ohne sich irremachen zu lassen.

Hänsel, dem das Dach sehr gut schmeckte,

riss sich ein großes Stück davon herunter,

und Gretel stieß eine ganze runde Fensterscheibe heraus,

setzte sich nieder und tat sich wohl damit.

Da ging auf einmal die Türe auf,

und eine steinalte Frau, die sich auf eine Krücke stützte,

kam herausgeschlichen.

Hänsel und Gretel erschraken so gewaltig,

dass sie fallen ließen, was sie in den Händen hielten.

Die Alte aber wackelte mit dem Kopfe und sprach:

»Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht?

Kommt nur herein und bleibt bei mir,

es geschieht euch kein Leid.«

Sie fasste beide an der Hand und führte sie in ihr Häuschen.

Da ward gutes Essen aufgetragen,

Milch und Pfannkuchen mit Zucker, Äpfel und Nüsse.

Hernach wurden zwei schöne Bettlein weiß gedeckt,

und Hänsel und Gretel legten sich hinein

und meinten, sie wären im Himmel.


Die Alte hatte sich nur freundlich angestellt,

sie war aber eine böse Hexe, die den Kindern auflauerte,

und hatte das Brothäuslein bloß gebaut, um sie herbeizulocken.

Wenn eins in ihre Gewalt kam, so machte sie es tot,

kochte es und aß es, und das war ihr ein Festtag.

Die Hexen haben rote Augen und können nicht weit sehen,

aber sie haben eine feine Witterung, wie die Tiere,

und merken’s, wenn Menschen herankommen.

Als Hänsel und Gretel in ihre Nähe kamen,

da lachte sie boshaft und sprach höhnisch:

»Die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen!«

Frühmorgens, ehe die Kinder erwacht waren,

stand sie schon auf,

und als sie beide so lieblich ruhen sah,

mit den vollen roten Backen,

so murmelte sie vor sich hin:

»Das wird ein guter Bissen werden.«

Da packte sie Hänsel mit ihrer dürren Hand

und trug ihn in einen kleinen Stall

und sperrte ihn mit einer Gittertüre ein;

er mochte schreien, wie er wollte, es half ihm nichts.

Dann ging sie zur Gretel, rüttelte sie wach und rief:

»Steh auf, Faulenzerin,

trag Wasser und koch deinem Bruder etwas Gutes,

der sitzt draußen im Stall und soll fett werden.

Wenn er fett ist, so will ich ihn essen.«

Gretel fing bitterlich an zu weinen;

aber es war alles vergeblich,

sie musste tun, was die böse Hexe verlangte.


Nun ward dem armen Hänsel das beste Essen gekocht,

aber Gretel bekam nichts als Krebsschalen.

Jeden Morgen schlich die Alte zu dem Ställchen und rief:

»Hänsel, streck deine Finger heraus,

damit ich fühle, ob du bald fett bist.«

Hänsel streckte ihr aber ein Knöchlein heraus,

und die Alte, die trübe Augen hatte, konnte es nicht sehen

und meinte, es wären Hänsels Finger,

und verwunderte sich, dass er gar nicht fett werden wollte.

Als vier Wochen herum waren und Hänsel immer mager blieb,

da überkam sie die Ungeduld, und sie wollte nicht länger warten.

»Heda, Gretel«, rief sie dem Mädchen zu,

»sei flink und trag Wasser:

Hänsel mag fett oder mager sein,

morgen will ich ihn schlachten und kochen.«

Ach, wie jammerte das arme Schwesterchen,

als es das Wasser tragen musste,

und wie flossen ihm die Tränen über die Backen herunter!

»Lieber Gott, hilf uns doch«, rief sie aus,

»hätten uns nur die wilden Tiere im Wald gefressen,

so wären wir doch zusammen gestorben!«

»Spar nur dein Geplärre«, sagte die Alte,

»es hilft dir alles nichts.«


Frühmorgens musste Gretel heraus,

den Kessel mit Wasser aufhängen und Feuer anzünden.

»Erst wollen wir backen«, sagte die Alte,

»ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet.«

Sie stieß das arme Gretel hinaus zu dem Backofen,

aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen.

»Kriech hinein«, sagte die Hexe,

»und sieh zu, ob recht eingeheizt ist,

damit wir das Brot hineinschieben können.«

Und wenn Gretel darin war,

wollte sie den Ofen zumachen

und Gretel sollte darin braten,

und dann wollte sie’s auch aufessen.

Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte, und sprach:

»Ich weiß nicht, wie ich’s machen soll;

wie komm ich da hinein?«

»Dumme Gans«, sagte die Alte,

»die Öffnung ist groß genug,

siehst du wohl, ich könnte selbst hinein«,

krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen.

Da gab Gretel ihr einen Stoß, dass sie weit hineinfuhr,

machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor.

Hu! da fing sie an zu heulen, ganz grauselich;

aber Gretel lief fort,

und die gottlose Hexe musste elendiglich verbrennen.


Gretel aber lief schnurstracks zum Hänsel,

öffnete sein Ställchen und rief:

»Hänsel, wir sind erlöst, die alte Hexe ist tot.«

Da sprang Hänsel heraus wie ein Vogel aus dem Käfig,

wenn ihm die Türe aufgemacht wird.

Wie haben sie sich gefreut,

sind sich um den Hals gefallen,

sind herumgesprungen und haben sich geküsst!

Und weil sie sich nicht mehr zu fürchten brauchten,

so gingen sie in das Haus der Hexe hinein.

Da standen in allen Ecken Kasten mit Perlen und Edelsteinen.

»Die sind noch besser als Kieselsteine«,

sagte Hänsel und steckte in seine Taschen, was hinein wollte.

Und Gretel sagte:

«Ich will auch etwas mit nach Haus bringen«,

und füllte sein Schürzchen voll.

»Aber jetzt wollen wir fort«, sagte Hänsel,

»damit wir aus dem Hexenwald herauskommen.«

Als sie aber ein paar Stunden gegangen waren,

gelangten sie an ein großes Wasser.

»Wir können nicht hinüber«, sprach Hänsel,

»ich seh keinen Steg und keine Brücke.«

»Hier fährt auch kein Schiffchen«, antwortete Gretel,

»aber da schwimmt eine weiße Ente,

wenn ich die bitte, so hilft sie uns hinüber.«

Da rief sie:

»Entchen, Entchen,

Da steht Gretel und Hänsel.

Kein Steg und keine Brücke,

Nimm uns auf deinen weißen Rücken.«

Das Entchen kam auch heran,

und Hänsel setzte sich auf

und bat sein Schwesterchen, sich zu ihm zu setzen.

»Nein«, antwortete Gretel,

»es wird dem Entchen zu schwer,

es soll uns nacheinander hinüberbringen.«

Das tat das gute Tierchen,

und als sie glücklich drüben waren und ein Weilchen fortgingen,

da kam ihnen der Wald immer bekannter und immer bekannter vor,

und endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus.

Da fingen sie an zu laufen,

stürzten in die Stube hinein und fielen ihrem Vater um den Hals.

Der Mann hatte keine frohe Stunde gehabt,

seitdem er die Kinder im Walde gelassen hatte,

die Frau aber war gestorben.

Gretel schüttelte sein Schürzchen aus,

dass die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen,

und Hänsel warf eine Handvoll nach der andern aus seiner Tasche dazu.

Da hatten alle Sorgen ein Ende,

und sie lebten in lauter Freude zusammen.

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Название документа 11. Король-лягушонок.doc

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Der Froschkönig


Wer ist das?

Das ist ein König.

Der König hat eine Tochter.

Ist sie schön?

Ja, sie ist sehr schön.

Wo wohnen der König und seine Tochter?

Sie wohnen in einem Schloss.

In der Nähe von dem Schloss liegt ein großer Wald.

In dem Wald ist ein Brunnen.


Der Tag ist heiß.

Wo ist die Königstochter?

Sie sitzt an dem Brunnen.

Was macht sie?

Sie spielt mit einer goldenen Kugel.

Sie wirft die Kugel in die Höhe und fängt sie wieder.

Aber nun fällt die Kugel auf die Erde

und rollt dann in das Wasser hinein.

Da weint die Königstochter bitterlich.


Da kommt ein Frosch aus dem Wasser.

»Was weinst du?«, fragt der Frosch.

»Ich weine über meine goldene Kugel«, antwortet die Königstochter.

»Weine doch nicht«, sagt der Frosch,

»Ich kann dein Spielzeug herausholen.

Aber was gibst du mir für meinen Dienst?«

»Alles, was du haben willst, lieber Frosch«,

sagt die Königstochter,

»meine Kleider, meine Perlen, auch meine goldene Krone.«

»Das mag ich alles nicht«, sagt der Frosch,

»Ich will dein Kamerad sein,

an deinem Tisch neben dir sitzen,

von deinem goldenen Tellerlein essen,

aus deinem Becherlein trinken,

in deinem Bettlein schlaffen.«

»Ich verspreche dir alles, was du willst«, sagt die Königstochter.


Also holt der Frosch die goldene Kugel

und gibt sie der Königstochter.

Die Königstochter nimmt die Kugel und läuft davon.

»Warte, warte!«, ruft der Frosch,

»Ich kann nicht so schnell laufen.«

Aber die Königstochter will ihn nicht hören.

Sie geht schnell nach Hause

und vergisst bald den armen Frosch.


An dem nächsten Tag

sitzt die Königstochter an der Tafel

und isst von ihrem goldenen Tellerlein.

Da klopft es an der Tür.

Da ruft es: »Königstochter, mach mir auf!«

Die Königstochter macht die Tür auf.

Aber wer sitzt da vor der Tür?

Das ist der Frosch!

Die Königstochter hat Angst.

Sie schließt hastig die Tür.

Der König sagt:

»Mein Kind, steht etwa ein Riese vor der Tür

und will dich holen?«

»Ach nein«, antwortet sie,

»Es ist kein Riese,

sondern ein garstiger Frosch.«

»Was will der Frosch von dir?«


»Ach lieber Vater,

ich war gestern in dem Wald bei dem Brunnen.

Ich spielte mit meiner goldenen Kugel.

Da fiel sie plötzlich in das Wasser.

Ich weinte.

Und dann kam dieser Frosch.

Er holte meine goldene Kugel aus dem Wasser heraus.

Ich versprach ihm aber,

dass er mein Kamerad werden sollte.

Jetzt steht er vor der Tür.«


Da sagt der König:

»Dein Wort musst du halten,

gehe nur und mach ihm auf.«

Sie geht und öffnet die Tür.

Da hüpft der Frosch herein und ruft:

»Heb mich herauf,

ich will auf deinen Tisch.«

Die Königtochter zaudert,

aber der König befiehlt ihr es.


Der Frosch sitzt auf dem Tisch und sagt:

»Nun schieb mir dein goldenes Tellerlein näher.

Wir wollen zusammen essen.«

Das tut sie zwar, aber widerwillig.

Der Frosch isst mit Vergnügen,

aber die Königstochter kann überhaupt nicht mehr essen.


Endlich sagt er:

»Ich bin satt und müde.

Nun trage mich in dein Zimmer.

Wir wollen uns zusammen schlafen legen.«

Die Königstochter weint.

Sie hat Angst.

Sie will den Frosch überhaupt nicht anrühren.

Und jetzt soll er in ihrem schönen reinen Bettlein schlafen!

Der König aber wird zornig und sagt:

»Wer dir in der Not hilft,

den sollst du nicht verachten.«

Da packt sie den Frosch mit zwei Fingern,

geht auf ihr Zimmer

und setzt ihn in eine Ecke.


Die Königstochter liegt in ihrem Bett.

Der Frosch kommt und sagt:

»Ich bin müde.

Ich will schlafen so gut wie du.

Hebe mich herauf.

Oder ich sage es deinem Vater.«

Da wird sie bitterböse.

Sie holt ihn herauf

und wirft ihn aus allen Kräften gegen die Wand.

»Nun wirst du Ruhe haben, du garstiger Frosch!«


Da ist er plötzlich kein Frosch mehr,

sondern ein Königssohn mit schönen und freundlichen Augen.

Ihr Vater befiehlt,

dass er nun ihr lieber Geselle und Gemahl wird.

Der junge Königssohn erzählt ihr,

dass eine böse Hexe ihn in einen Frosch verwandelte

und die Königtochter allein ihn erlösen konnte.

Morgen wollen sie zusammen in sein Reich gehen.


An dem anderen Tag kommt ein Wagen mit acht weißen Pferden.

Hinten steht der Diener des jungen Königs.

Das ist der treue Heinrich.

Als sein Herr noch ein Frosch war,

dachte er,

dass sein Herz vor Traurigkeit zerspringen konnte.

Deswegen liegen jetzt um sein Herz drei eiserne Bande.

Der Wagen aber soll den jungen König

in sein Reich abholen.

Der treue Heinrich hebt beide hinein

und stellt sich wieder dahinten.

Er ist voller Freude über die Erlösung.


Unterwegs hört der Königssohn,

dass es hinter ihm kracht.

Er ruft:

»Heinrich, der Wagen bricht.«

»Nein, Herr, der Wagen nicht«,

antwortet der treue Heinrich,

»Es ist ein Band von meinem Herzen,

das da war in großen Schmerzen,

als Ihr in dem Brunnen saßt,

als Ihr nur ein Frosch noch wart.«


Noch einmal und noch einmal kracht es auf dem Weg.

Der Königssohn denkt immer,

dass der Wagen bricht.

Aber es sind nur die Bande,

die von dem Herzen

des treuen Heinrich abspringen.

Endlich sind alle glücklich.


3

Название документа 12. Красная шапочка.doc

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Rotkäppchen


Es war einmal ein kleines süßes Mädchen.

Jedermann hatte es lieb,

am allerliebsten aber hatte es seine Großmutter.

Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Samt.

Dieses Käppchen stand ihm so gut,

dass es nichts anders mehr tragen wollte,

und alle nannten es nur Rotkäppchen.


Eines Tages sagte seine Mutter zu ihm:

»Komm, Rotkäppchen,

da hast du ein Stück Kuchen

und eine Flasche Wein.

Bring das der Großmutter.

Sie ist krank und schwach:

das wird sie stärken.

Geh los, bevor es heiß wird,

und komm nicht vom Weg ab,

sonst fällst du hin und zerbrichst das Glas,

und die Großmutter hat nichts.

Und wenn du zu ihr kommst,

so vergiss nicht, guten Morgen zu sagen.«

»Ich will schon alles richtig machen», versprach Rotkäppchen.


Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald,

eine halbe Stunde vom Dorf.

Als nun Rotkäppchen in den Wald kam,

begegnete ihm der Wolf.

Rotkäppchen aber wusste nicht,

was das für ein böses Tier war,

und fürchtete sich nicht vor ihm.

»Guten Tag, Rotkäppchen«, sprach er.

»Schönen Dank, Wolf.«

»Wohin gehst du so früh, Rotkäppchen?«

»Ich gehe zur Großmutter.«

»Was trägst du unter der Schürze?«

»Kuchen und Wein:

gestern haben wir gebacken,

da soll die kranke Großmutter sich damit stärken.«

»Wo wohnt deine Großmutter?«

»Noch eine Viertelstunde weiter im Wald,

unter den drei großen Eichbäumen,

da steht ihr Haus,

das wirst du ja wissen.«


Der Wolf dachte bei sich:

»Das junge zarte Ding,

das ist ein fetter Bissen,

der wird noch besser schmecken als die Alte:

du musst es listig anfangen,

damit du beide erwischst.«

Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her,

dann sprach er:

»Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen,

die ringsherum stehen,

warum guckst du dich nicht um?

Ich glaube, du hörst gar nicht,

wie die Vöglein so lieblich singen?

Du gehst ja für dich hin,

als wenn du zur Schule gingst,

und es ist so lustig draußen im Wald.«

Rotkäppchen schlug die Augen auf

und sah, dass alles voll schöner Blumen stand.

Es dachte:

»Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe,

der wird ihr auch Freude machen.

Es ist so früh am Tag,

dass ich doch rechtzeitig ankomme.«

Es lief vom Weg ab in den Wald hinein und suchte Blumen.

Und wenn es eine gepflückt hatte,

sah es weiter hinaus eine schönere,

und lief danach,

und geriet immer tiefer in den Wald hinein.


Der Wolf aber ging geradeswegs nach dem Haus der Großmutter

und klopfte an die Tür.

»Wer ist draußen?«

»Rotkäppchen.

Ich bringe Kuchen und Wein.

Mach auf.«

»Drück nur auf die Klinke«,

rief die Großmutter,

»ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.«

Der Wolf drückte auf die Klinke,

die Tür sprang auf,

und er ging, ohne ein Wort zu sprechen,

gerade zum Bett der Großmutter

und verschluckte sie.

Dann zog er ihre Kleider an,

setzte ihre Haube auf

und legte sich in ihr Bett.


Inzwischen hatte Rotkäppchen so viele Blumen gepflückt,

dass es keine mehr tragen konnte.

So fiel ihm die Großmutter wieder ein,

und es machte sich auf den Weg zu ihr.

Es wunderte sich,

dass die Tür aufstand,

und als es in die Stube trat,

so kam es ihm seltsam darin vor.

Es dachte:

»Ei, du mein Gott,

wie ängstlich ist es mir heute zumute,

und sonst bin ich so gerne bei der Großmutter!«

Es rief: »Guten Morgen«,

bekam aber keine Antwort.

Es ging zum Bett:

da lag die Großmutter

und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt

und sah so wunderlich aus.

»Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!«

»Dass ich dich besser hören kann.«

»Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!«

»Dass ich dich besser sehen kann.«

»Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!«

»Dass ich dich besser packen kann.«

»Aber, Großmutter, was hast du für entsetzlich großes Maul!«

»Dass ich dich besser fressen kann.«

Kaum hatte der Wolf das gesagt,

so tat er einen Satz aus dem Bett

und verschlang das arme Rotkäppchen.

Dann legte er sich wieder ins Bett,

schlief ein und fing an zu schnarchen.


Der Jäger ging eben an dem Haus vorbei und dachte:

»Wie die alte Frau schnarcht,

du musst doch sehen, ob ihr etwas fehlt.«

Da trat er in die Stube und sah,

dass der Wolf im Bett lag.

»Finde ich dich hier, du alter Sünder«,

sagte er,

»ich habe dich lange gesucht.«

Nun wollte er seine Büchse anlegen,

da fiel ihm ein,

dass der Wolf konnte die Großmutter gefressen haben

und sie war noch zu retten.

Er schoss nicht,

sondern nahm eine Schere und fing an,

dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden.

Als er ein paar Schnitte getan hatte,

da sah er das rote Käppchen,

und noch ein paar Schnitte,

da sprang das Mädchen heraus und rief:

»Ach, wie war ich erschrocken,

wie war es dunkel im Bauch des Wolfes!«

Und dann kam die alte Großmutter auch noch lebendig heraus

und konnte kaum atmen.

Rotkäppchen aber holte geschwind große Steine,

und sie füllten damit dem Wolf den Bauch.

Als er aufwachte, wollte er fortspringen,

aber die Steine waren so schwer,

dass er gleich umfiel und starb.

Da waren alle drei vergnügt.

Der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab

und ging damit heim.

Die Großmutter aß den Kuchen, trank den Wein

und erholte sich wieder.

Rotkäppchen aber dachte:

»Du willst dein Lebtag nicht wieder allein

vom Weg ab in den Wald laufen,

wenn dir es die Mutter verboten hat.«

3

Название документа 13. Золушка.doc

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Aschenputtel


Es war einmal ein reicher Mann.

Er hatte eine Frau und eine Tochter.

Einmal wurde seine Frau krank.

Sie rief ihr Töchterlein zu sich und sprach:

»Liebes Kind,

bleib fromm und gut,

und der liebe Gott wird dir immer beistehen.«

Darauf tat sie die Augen zu

und starb.

Das Mädchen ging jeden Tag hinaus

zu dem Grab der Mutter

und weinte

und blieb fromm und gut.

So verging ein Jahr,

und dann nahm sich der Mann eine andere Frau.


Die Stiefmutter brachte zwei eigene Töchter mit ins Haus.

Die waren schön und weiß von Angesicht,

aber von Herzen waren sie schwarz und garstig.

Da brach eine schlimme Zeit für das arme Stiefkind an.

»Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen!«

sprachen sie.

»Wer Brot essen will,

muss es verdienen:

hinaus in die Küche!«

Sie nahmen ihm seine schönen Kleider weg,

zogen ihm einen grauen alten Kittel an

und gaben ihm hölzerne Schuhe.

»Seht einmal die stolze Prinzessin,

wie sie geputzt ist!«

riefen sie, lachend,

und führten es in die Küche.

Da musste es vom Morgen bis zum Abend

schwere Arbeit tun,

Wasser tragen,

Feuer anmachen,

kochen und waschen.

Abends, wenn es müde war,

kam es in kein Bett,

sondern musste sich neben den Herd

in die Asche legen.

Und weil es daher immer schmutzig war,

nannten alle es nur Aschenputtel.


Es trug sich zu,

dass der Vater einmal in die Messe ziehen wollte.

Da fragte er die beiden Stieftöchter,

was er ihnen mitbringen sollte.

»Schöne Kleider«, sagte die eine.

»Perlen und Edelsteine«, sagte die zweite.

»Aber du, Aschenputtel«, sprach er,

»was willst du haben?«

»Vater, brecht für mich das erste Reis ab,

das Euch unterwegs an den Hut stößt.«

Er kaufte nun

für die beiden Stiefschwestern

schöne Kleider, Perlen und Edelsteine.

Auf dem Rückweg aber

streifte ihn ein Haselreis

und stieß ihm den Hut ab.

Da brach er das Reis ab

und nahm es mit für seine Tochter.

Aschenputtel dankte ihm,

ging zu dem Grab seiner Mutter,

pflanzte das Reis darauf

und weinte so sehr,

dass die Tränen es begossen.

Es wuchs und wurde ein schöner Baum.

Aschenputtel ging alle Tage dreimal darunter,

weinte und betete,

und dann kam ein weißes Vöglein auf den Baum.

Und wenn das Mädchen einen Wunsch aussprach,

so warf ihm das Vöglein herab,

was es sich gewünscht hatte.


Es begab sich aber,

dass der König ein Fest anstellte,

das drei Tage dauern sollte.

Alle schönen Jungfrauen im Lande wurden eingeladen,

damit sich sein Sohn

eine Braut aussuchen möchte.

Die zwei Stiefschwestern

sollten dabei auch erscheinen.

Sie waren guter Dinge,

riefen Aschenputtel und sprachen:

»Kämm uns die Haare,

bürste uns die Schuhe!

Wir gehen zur Hochzeit auf des Königs Schloss.«

Aschenputtel gehorchte,

sagte aber der Stiefmutter,

dass es auch gern zum Ball mitgegangen wäre.

»Du, Aschenputtel«, sprach sie,

»bist voll Staub und Schmutz

und willst zur Hochzeit?

Du hast keine Kleider und Schuhe

und willst tanzen!«

Als es nun weinte, sprach sie:

»Da habe ich dir eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet.

Wenn du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast,

so sollst du mitgehen.«


Das Mädchen ging in den Garten und rief:

»Ihr zahmen Täubchen,

kommt und helft mir lesen,

die guten ins Töpfchen,

die schlechten ins Kröpfchen.«

Da kamen zwei weiße Täubchen

und nickten mit den Köpfchen,

und fingen an pick, pick, pick, pick

und lasen alle guten Körnlein in die Schüssel.

Kaum war eine Stunde herum,

so waren sie schon fertig

und flogen wieder hinaus.

Da brachte das Mädchen die Schüssel der Stiefmutter,

freute sich und glaubte,

es dürfte nun mit auf die Hochzeit gehen.

Aber sie sprach:

»Nein Aschenputtel,

es hilft dir alles nichts.

Du kommst nicht mit,

denn du hast keine Kleider

und kannst nicht tanzen.

Du wirst nur ausgelacht.«

Darauf eilte sie mit ihren zwei stolzen Töchtern fort.


Als nun niemand mehr daheim war,

ging Aschenputtel zu dem Grab seiner Mutter

unter dem Haselbaum

und rief:

»Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich,

wirf Gold und Silber über mich.«

Da warf ihm der Vogel ein goldenes und silbernes Kleid herunter

und auch Pantoffeln,

die mit Seide und Silber ausgestickt waren.

Es zog das Kleid an und ging zur Hochzeit.

Seine Schwestern aber und die Stiefmutter

erkannten es nicht

und meinten, es müsste eine fremde Königstochter sein,

so schön sah es aus.

Der Königssohn kam ihm entgegen,

nahm es bei der Hand

und tanzte mit ihm.

Er wollte auch mit sonst niemand tanzen,

und wenn ein anderer kam, es aufzufordern,

sprach er: »Das ist meine Tänzerin.«


Es tanzte, bis es Abend war.

Da wollte es nach Haus gehen.

Der Königssohn aber sprach:

»Ich gehe mit und begleite dich«,

denn er wollte sehen,

wo das schöne Mädchen wohnte.

Unterwegs entwischte es ihm aber,

und sprang in das Taubenhaus.

Nun wartete der Königssohn,

bis der Vater kam,

und sagte ihm,

dass das fremde Mädchen

in das Taubenhaus gesprungen war.

Der Alte dachte:

»Sollte es Aschenputtel sein?«

Er nahm eine Axt

und schlug das Taubenhaus entzwei.

Aber es war niemand drin.

Und als er ins Haus kam,

lag Aschenputtel in seinen schmutzigen Kleidern in der Asche;

denn es war geschwind

aus dem Taubenhaus hinten herabgesprungen

und war zu dem Haselbäumchen gelaufen:

da hatte es die schöne Kleider ausgezogen

und aufs Grab gelegt,

und der Vogel hatte sie wieder weggenommen,

und dann hatte es sich in seinem grauen Kittelchen

in die Küche zur Asche gesetzt.


Am anderen Tag,

als das Fest von neuem anhub

und alle wieder fort waren,

ging Aschenputtel zu dem Haselbaum und sprach:

»Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich,

wirf Gold und Silber über mich.«

Da warf der Vogel ein Kleid herab,

das noch prächtiger war,

als am vorigen Tag.

Und als es mit diesem Kleid auf der Hochzeit erschien,

erstaunte jedermann über seine Schönheit.

Der Königssohn aber hatte gewartet,

bis es kam,

nahm es gleich bei der Hand

und tanzte nur allein mit ihm.

Wenn die anderen kamen und es aufforderten,

sprach er: »Das ist meine Tänzerin.«


Als es nun Abend war,

wollte es fort,

und der Königssohn ging ihm nach

und wollte sehen,

in welches Haus es ging.

Aber es sprang ihm fort

und lief in den Garten hinter dem Haus.

Darin stand ein schöner großer Baum,

an dem die herrlichsten Birnen hingen.

Es kletterte so behänd wie ein Eichhörnchen

zwischen die Äste.

Der Königssohn wusste nicht,

wo es hingekommen war.

Er wartete aber,

bis der Vater kam,

und sprach zu ihm:

»Das fremde Mädchen ist mir entwischt,

und ich glaube,

es ist auf den Baum gesprungen.«

Der Vater dachte:

»Sollte es Aschenputtel sein?«

Er nahm die Axt und hieb den Baum um,

aber es war niemand darauf.

Als er in die Küche kam,

lag Aschenputtel da in der Asche,

wie sonst auch.

Es war auf der anderen Seite vom Baum herabgesprungen,

hatte dem Vogel auf dem Haselbäumchen

die schönen Kleider wieder gebracht

und sein graues Kittelchen angezogen.


Am dritten Tag,

als die Eltern und die Schwestern fort waren,

ging Aschenputtel wieder zu dem Grab seiner Mutter

und sprach zu dem Bäumchen:

»Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich,

wirf Gold und Silber über mich.«

Nun warf ihm der Vogel ein Kleid herab,

das war so prächtig und glänzend,

wie es noch keins gehabt hatte,

und die Pantoffeln waren ganz golden.

Als es zu der Hochzeit kam,

wussten sie alle nicht,

was sie vor Verwunderung sagen sollten.

Der Königssohn tanzte ganz allein mit ihm,

und wenn es einer aufforderte,

sprach er: »Das ist meine Tänzerin.«


Als es nun Abend war,

wollte Aschenputtel fort,

und der Königssohn wollte es begleiten,

aber es entsprang ihm so geschwind,

dass er nicht folgen konnte.

Der Königssohn aber

hatte die ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen.

Da war, als es hinabsprang,

der linke Pantoffel des Mädchens hängengeblieben.

Der Königssohn hob ihn auf,

und er war klein und ganz golden.


Am nächsten Morgen ging er damit zu dem Mann

und sagte zu ihm:

»Das Mädchen,

dem dieser goldene Schuh passt,

soll meine Gemahlin werden.«

Da freuten sich die beiden Schwestern,

denn sie hatten schöne Füße.

Die Älteste ging mit dem Schuh in die Kammer

und wollte ihn anprobieren,

und die Mutter stand dabei.

Aber sie konnte mit der großen Zehe

nicht hineinkommen.

Der Schuh war ihr zu klein.

Da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach:

»Hau die Zehe ab:

wann du Königin bist,

so brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen.«

Das Mädchen hieb die Zehe ab,

zwängte den Fuß in den Schuh,

verbiss den Schmerz

und ging heraus zum Königssohn.

Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd

und ritt mit ihr fort.

Sie mussten aber an dem Grab vorbei.

Da saßen die zwei Täubchen auf dem Haselbäumchen

und riefen:

»Rucke di gu, rucke di gu,

Blut ist im Schuh:

der Schuh ist zu klein,

die rechte Braut sitzt noch daheim.«

Da blickte er auf ihren Fuß und sah,

wie das Blut herausquoll.

Er wendete sein Pferd um

und brachte die falsche Braut wieder nach Haus.


Da sollte die andere Schwester den Schuh anziehen.

Sie ging in die Kammer

und kam mit den Zehen glücklich in den Schuh,

aber die Ferse war zu groß.

Da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach:

»Hau ein Stück von der Ferse ab:

wann du Königin bist,

brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen.«

Das Mädchen hieb ein Stück von der Ferse ab,

zwängte den Fuß in den Schuh,

verbiss den Schmerz

und ging heraus zum Königssohn.

Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd

und ritt mit ihr fort.

Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen,

saßen die zwei Täubchen darauf und riefen:

»Rucke di gu, rucke di gu,

Blut ist im Schuh:

der Schuh ist zu klein,

die rechte Braut sitzt noch daheim.«

Er blickte nieder auf ihren Fuß und sah,

wie das Blut aus dem Schuh quoll.

Da wendete er sein Pferd

und brachte die falsche Braut wieder nach Haus.


»Habt Ihr keine andere Tochter?« fragte er.

»Nein«, sagte der Mann,

»nur ein kleines Aschenputtel ist da:

aber das kann unmöglich die Braut sein.«

Der Königssohn sprach, er sollte es heraufschicken.

Die Mutter aber antwortete:

»Ach nein, das ist viel zu schmutzig,

das darf sich nicht sehen lassen.«

Er wollte es aber durchaus haben,

und Aschenputtel musste gerufen werden.

Es setzte sich auf einen Schemel,

zog den Fuß aus dem schweren Holzschuh

und steckte ihn in den Pantoffel.

Der war wie angegossen.

Da erkannte der Königssohn das schöne Mädchen,

das mit ihm getanzt hatte,

und rief: »Das ist die rechte Braut!«

Er nahm Aschenputtel aufs Pferd

und ritt mit ihm fort.

Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen,

riefen die zwei weißen Täubchen:

»Rucke di gu, rucke di gu,

kein Blut im Schuh:

der Schuh ist nicht zu klein,

die rechte Braut, die führt er heim.«

Darauf kamen sie beide herabgeflogen

und setzten sich dem Aschenputtel auf die Schultern,

die eine rechts, die andere links,

und blieben da sitzen.


Zu der Hochzeit kamen auch die falschen Schwestern

und wollten sich einschmeicheln.

Als die Brautleute nun zur Kirche gingen,

war die Älteste zur rechten, die Jüngste zur linken Seite.

Da pickten die Tauben jeder Stiefschwester das eine Auge aus.

Hernach, als die Brautleute herausgingen,

war die Älteste zur linken und die Jüngste zur rechten Seite.

Da pickten die Tauben jeder Stiefschwester das andere Auge aus.

So waren sie also für ihre Bosheit

mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft.

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Название документа 14. Госпожа метелица.doc

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Frau Holle


Eine Witwe hatte zwei Töchter,

davon war die eine schön und fleißig,

die andere hässlich und faul.

Sie hatte aber die hässliche und faule viel lieber,

weil sie ihre richtige Tochter war.

Die andere musste alle Arbeit tun

und das Aschenputtel im Hause sein.

Das arme Mädchen musste sich täglich

auf die große Straße bei einem Brunnen setzen

und so viel spinnen, bis seine Finger bluteten.

Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war,

und sich das Mädchen über den Brunnen lehnte, um sie abzuwaschen;

da sprang sie ihm aus der Hand und fiel hinab.

Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück.

Sie schimpfte aber so heftig und war so unbarmherzig und sprach:

»Hast du die Spule hinunterfallen lassen,

so hol sie auch wieder herauf.«

Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück

und wusste nicht, was es anfangen sollte;

und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein,

um die Spule zu holen.

Es verlor die Besinnung,

und als es erwachte und wieder zu sich kam,

war es auf einer schönen Wiese,

wo die Sonne schien und viele tausend Blumen standen.

Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen,

der war voller Brot;

das Brot aber rief:

»Ach, zieh mich raus, zieh mich raus,

sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.«

Da holte es mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus.

Danach ging es weiter und kam zu einem Baum,

der hing voll Äpfel und rief ihm zu:

»Ach, schüttle mich, schüttle mich, wir Äpfel sind alle reif.«

Da schüttelte es den Baum, und die Äpfel fielen, als regneten sie,

und schüttelte, bis keiner mehr oben war;

und als es alle auf einen Haufen gelegt hatte,

ging es wieder weiter.

Endlich kam es zu einem kleinen Haus,

daraus guckte eine alte Frau,

weil sie aber so große Zähne hatte, bekam es Angst,

und es wollte fortlaufen.

Die alte Frau rief ihm nach:

»Was fürchtest du dich, liebes Kind?

Bleib bei mir,

wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst,

so soll’s dir gut gehen.

Du musst nur Acht geben,

dass du mein Bett gut machst

und es fleißig aufschüttelst, dass die Federn fliegen,

dann schneit es in der Welt;

ich bin die Frau Holle.«

Weil die Alte ihm so gut zusprach,

fasste sich das Mädchen ein Herz,

willigte ein und begab sich in ihren Dienst.

Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit

und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig,

so dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen;

dafür hatte es auch ein gutes Leben bei ihr,

kein böses Wort und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.

Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle,

da ward es traurig und wusste anfangs selbst nicht, was ihm fehlte,

endlich merkte es, dass es Heimweh war,

obwohl es ihm hier tausendmal besser ging als zu Hause.

Endlich sagte das Mädchen zu Frau Holle:

»Ich habe Sehnsucht nach Hause bekommen,

und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht,

so kann ich doch nicht länger bleiben,

ich muss hinauf zu den Meinigen.«

Frau Holle sagte:

»Es gefällt mir, dass du wieder nach Hause willst,

und weil du mir so treu gedient hast,

so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.«

Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein großes Tor.

Das Tor ging auf,

und als das Mädchen gerade darunter stand,

fiel ein gewaltiger Goldregen,

und alles Gold blieb an ihm hängen,

so dass es über und über davon bedeckt war.

»Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist«,

sprach Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder,

die ihm in den Brunnen gefallen war.

Daraufhin ging das Tor zu,

und das Mädchen befand sich oben auf der Welt,

nicht weit von seiner Mutter Haus;

und als es in den Hof kam,

saß der Hahn auf dem Brunnen und rief:

»Kikeriki, kikeriki,

unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.«

Da ging es hinein zu seiner Mutter,

und weil es so mit Gold bedeckt ankam,

wurde es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.

Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war,

und als die Mutter hörte,

wie es zu dem großen Reichtum gekommen war,

wollte sie der andern, hässlichen und faulen Tochter

gerne dasselbe Glück verschaffen.

Sie musste sich an den Brunnen setzen und spinnen;

und damit ihre Spule blutig wurde,

stach sie sich in die Finger

und stieß die Hand auch noch in die Dornenhecke.

Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein.

Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese

und ging auf demselben Weg weiter.

Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder:

»Ach, zieh mich raus, zieh mich raus,

sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.«

Die Faule aber antwortete:

»Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen«,

und ging fort.

Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief:

»Ach, schüttle mich, schüttle mich, wir Äpfel sind alle reif.«

Sie antwortete aber:

»Du kommst mir gerade recht,

es könnte mir einer auf den Kopf fallen«,

und ging weiter.

Als sie vor das Haus von Frau Holle kam, fürchtete sie sich nicht,

weil sie von ihren großen Zähnen schon gehört hatte,

und fing gleich an zu arbeiten.

Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an,

war fleißig und folgte der Frau Holle,

wenn sie ihr etwas sagte,

denn sie dachte an das viele Gold,

das sie ihr schenken würde;

am zweiten Tag aber fing sie schon an zu faulenzen,

am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen.

Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte,

und schüttelte es nicht, dass die Federn aufflogen.

Da wurde Frau Holle bald böse und schickte sie weg.

Die Faule war wohl zufrieden

und meinte, nun würde der Goldregen kommen;

die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor,

als sie aber darunter stand,

wurde statt des Goldes ein großer Kessel voll Pech ausgeschüttet.

»Das ist zur Belohnung deiner Dienste«,

sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.

Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt,

und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:

»Kikeriki, kikeriki,

unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.«

Das Pech aber blieb fest an ihr hängen

und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen.


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Название документа 15. Кот в сапогах.doc

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Der gestiefelte Kater


Es war einmal ein Müller,

der hatte drei Söhne, seine Mühle, einen Esel und einen Kater.

Die Söhne mussten mahlen,

der Esel Getreide holen und Mehl forttragen,

die Katze dagegen die Mäuse wegfangen.

Als der Müller starb, teilten sich die drei Söhne in die Erbschaft:

der älteste bekam die Mühle, der zweite den Esel, der dritte den Kater;

weiter blieb nichts für ihn übrig.

Da war er traurig und sprach zu sich selbst:

»Mir ist es doch recht schlimm ergangen,

mein ältester Bruder kann mahlen,

mein zweiter auf seinem Esel reiten –

was kann ich mit dem Kater anfangen?

Ich lasse mir ein Paar Pelzhandschuhe aus seinem Fell machen,

dann ist's vorbei.«


»Hör«, fing der Kater an, der alles verstanden hatte,

»du brauchst mich nicht zu töten,

um ein Paar schlechte Handschuhe aus meinem Pelz zu kriegen;

lass mir nur ein Paar Stiefel machen,

dass ich ausgehen und mich unter den Leuten sehen lassen kann,

dann soll dir bald geholfen sein.«

Der Müllersohn verwunderte sich, dass der Kater so sprach;

weil aber eben der Schuster vorbeiging,

rief er ihn herein und ließ ihm die Stiefel anmessen.

Als sie fertig waren, zog sie der Kater an,

nahm einen Sack, machte dessen Boden voll Korn,

band aber eine Schnur drum, womit man ihn zuziehen konnte,

dann warf er ihn über den Rücken

und ging auf zwei Beinen, wie ein Mensch, zur Tür hinaus.


Damals regierte ein König im Land, der aß so gerne Rebhühner:

es war aber eine große Not,

dass keine zu kriegen waren.

Der ganze Wald war voll, aber sie waren so scheu,

dass kein Jäger sie erreichen konnte.

Das wusste der Kater, und gedachte seine Sache besser zu machen;

als er in den Wald kam, machte er seinen Sack auf,

breitete das Korn auseinander,

die Schnur aber legte er ins Gras und leitete sie hinter eine Hecke.

Da versteckte er sich selber, schlich herum und lauerte.

Die Rebhühner kamen bald gelaufen, fanden das Korn –

und eins nach dem andern hüpfte in den Sack hinein.

Als eine gute Anzahl drinnen war,

zog der Kater den Strick zu,

lief herbei und drehte ihnen den Hals um;

dann warf er den Sack auf den Rücken

und ging geradewegs zum Schloß des Königs.

Die Wache rief: »Halt! Wohin?« –

»Zum König!« antwortete der Kater kurzweg.

»Bist du toll, ein Kater und zum König?« –

»Lass ihn nur gehen«, sagte ein anderer,

»der König hat doch oft Langeweile,

vielleicht macht ihm der Kater mit seinem Brummen und Spinnen Vergnügen.«

Als der Kater vor den König kam,

machte er eine tiefe Verbeugung und sagte:

»Mein Herr, der Graf« –

dabei nannte er einen langen und vornehmen Namen –

»lässt sich dem Herrn König empfehlen und schickt ihm hier Rebhühner«;

Da wusste sich der König vor Freude nicht zu fassen

und befahl dem Kater,

soviel Gold aus der Schatzkammer in seinen Sack zu tun,

wie er nur tragen könne:

»Das bringe deinem Herrn,

und danke ihm vielmals für sein Geschenk.«


Der arme Müllersohn aber saß zu Haus am Fenster,

stützte den Kopf auf die Hand und dachte,

dass er nun sein letztes Geld für die Stiefel des Katers weggegeben habe,

und der ihm wohl nichts besseres dafür bringen könne.

Da trat der Kater herein,

warf den Sack vom Rücken,

schnürte ihn auf und schüttete das Gold vor den Müller hin:

»Da hast du etwas Gold vom König,

der dich grüßen lässt und sich für die Rebhühner bei dir bedankt.«

Der Müller war froh über den Reichtum,

ohne dass er noch recht begreifen konnte, wie es zugegangen war.

Der Kater aber, während er seine Stiefel auszog, erzählte ihm alles;

dann sagte er:

»Du hast jetzt zwar Geld genug,

aber dabei soll es nicht bleiben;

morgen ziehe ich meine Stiefel wieder an,

dann sollst du noch reicher werden;

dem König habe ich nämlich gesagt, dass du ein Graf bist.«

Am andern Tag ging der Kater,

wie er gesagt hatte, wohl gestiefelt, wieder auf die Jagd,

und brachte dem König einen reichen Fang.

So ging es alle Tage,

und der Kater brachte alle Tage Gold heim

und ward so beliebt beim König,

dass er im Schlosse ein- und ausgehen durfte.

Einmal stand der Kater in der Küche des Schlosses beim Herd und wärmte sich,

da kam der Kutscher und fluchte:

»Ich wünsche, der König mit der Prinzessin wäre beim Henker!

Ich wollte ins Wirtshaus gehen,

einmal einen trinken und Karten spielen,

da sollt ich sie spazierenfahren an den See.«

Wie der Kater das hörte,

schlich er nach Haus und sagte zu seinem Herrn:

»Wenn du ein Graf und reich werden willst,

so komm mit mir hinaus an den See und bade darin.«

Der Müller wusste nicht, was er dazu sagen sollte,

doch folgte er dem Kater, ging mit ihm,

zog sich splitternackt aus und sprang ins Wasser.

Der Kater aber nahm seine Kleider, trug sie fort und versteckte sie.

Kaum war er damit fertig, da kam der König dahergefahren;

der Kater fing sogleich an, erbärmlich zu lamentieren:

»Ach! Allergnädigster König!

Mein Herr, der hat sich hier im See zum Baden begeben,

da ist ein Dieb gekommen

und hat ihm die Kleider gestohlen, die am Ufer lagen;

nun ist der Herr Graf im Wasser und kann nicht heraus,

und wenn er sich noch länger darin aufhält,

wird er sich erkälten und sterben.«

Wie der König das hörte, ließ er anhalten

und einer seiner Leute musste zurückjagen

und von des Königs Kleider holen.

Der Herr Graf zog dann auch die prächtigen Kleider an,

und weil ihm ohnehin der König wegen der Rebhühner,

die er meinte, von ihm empfangen zu haben,

gewogen war,

so musste er sich zu ihm in die Kutsche setzen.

Die Prinzessin war auch nicht bös darüber,

denn der Graf war jung und schön,

und er gefiel ihr recht gut.


Der Kater aber war vorausgegangen

und zu einer großen Wiese gekommen,

wo über hundert Leute waren und Heu machten.

»Wem gehört die Wiese, ihr Leute?« fragte der Kater.

»Dem großen Zauberer,« antworteten die Leute.

»Hört, jetzt wird gleich der König vorbeifahren,

wenn er wissen will, wem die Wiese gehört,

so antwortet: dem Grafen;

und wenn ihr das nicht tut,

so werdet ihr alle erschlagen.«

Darauf ging der Kater weiter und kam an ein Kornfeld,

so groß, dass es niemand übersehen konnte;

da standen mehr als zweihundert Leute und schnitten das Korn.

»Wem gehört das Korn, ihr Leute?« –

»Dem Zauberer,« antworteten sie.

»Hört, jetzt wird gleich der König vorbeifahren,

wenn er wissen will, wem das Korn gehört,

so antwortet: dem Grafen;

und wenn ihr das nicht tut,

so werdet ihr alle erschlagen.«

Schließlich kam der Kater an einen prächtigen Wald,

da standen mehr als dreihundert Leute,

fällten die großen Eichen und machten Holz.

»Wem gehört der Wald, ihr Leute?« –

»Dem Zauberer.« –

»Hört, jetzt wird gleich der König vorbeifahren,

wenn er wissen will, wem der Wald gehört,

so antwortet: dem Grafen;

und wenn ihr das nicht tut,

so werdet ihr alle erschlagen.«

Der Kater ging noch weiter,

die Leute sahen ihm alle nach,

und weil er so wunderlich aussah,

und wie ein Mensch in Stiefeln daherging,

fürchteten sie sich vor ihm.

Er kam bald an des Zauberers Schloß,

trat keck hinein und vor diesen hin.

Der Zauberer sah ihn verächtlich an,

dann fragte er ihn, was er denn wolle.

Der Kater verbeugte sich tief und sagte:

»Ich habe gehört,

dass du dich in jedes Tier ganz nach deinem Belieben verwandeln könntest;

was einen Hund, Fuchs oder auch Wolf betrifft,

da will ich es wohl glauben,

aber von einem Elefant, das scheint mir ganz unmöglich,

und deshalb bin ich gekommen, um mich selbst zu überzeugen.«

Der Zauberer sagte stolz:

»Das ist für mich eine Kleinigkeit«,

und war in dem Augenblick in einen Elefanten verwandelt.

»Das ist viel«, sagte der Kater, »aber auch in einen Löwen?« –

»Das ist auch nichts«, sagte der Zauberer,

dann stand er als Löwe vor dem Kater.

Der Kater stellte sich erschrocken und rief:

»Das ist unglaublich und unerhört,

dergleichen hätt ich mir nicht im Traume in die Gedanken kommen lassen;

aber noch mehr, als alles andere, wär es,

wenn du dich auch in ein so ganz kleines Tier,

wie eine Maus ist, verwandeln könntest.

Du kannst gewiss mehr, als irgendein Zauberer auf der Welt,

aber das wird dir doch zu schwierig sein.«

Der Zauberer ward ganz freundlich von den süßen Worten und sagte:

»O ja, liebes Kätzchen, das kann ich auch«,

und sprang als eine Maus im Zimmer herum.

Der Kater war hinter ihm her,

fing die Maus mit einem Satz und fraß sie auf.


Der König aber war mit dem Grafen und der Prinzessin weiter spazierengefahren,

und kam zu der großen Wiese.

»Wem gehört das Heu?« fragte der König.

»Dem Herrn Grafen«, riefen alle, wie der Kater ihnen befohlen hatte.

»Ihr habt da ein schön Stück Land, Herr Graf«, sagte der König.

Danach kamen sie an das große Kornfeld.

»Wem gehört das Korn, ihr Leute?« –

»Dem Herrn Grafen.« –

»Ei! Herr Graf! Große, schöne Ländereien!« –

Darauf kamen sie zu dem Wald:

»Wem gehört das Holz, ihr Leute?« fragte der König.

»Dem Herrn Grafen.«

Der König verwunderte sich noch mehr und sagte:

»Ihr müsst ein reicher Mann sein, Herr Graf,

ich glaube nicht, dass ich einen so prächtigen Wald habe.«

Schließlich kamen sie an das Schloß,

der Kater stand oben an der Treppe,

und als der Wagen unten hielt,

sprang er herab, machte die Türe auf und sagte:

»Herr König, Ihr gelangt hier in das Schloß meines Herrn, des Grafen,

den diese Ehre für sein Lebtag glücklich machen wird.«

Der König stieg aus und verwunderte sich über das prächtige Gebäude,

das fast größer und schöner war als sein Schloß;

der Graf aber führte die Prinzessin die Treppe hinauf in den Saal,

der ganz von Gold und Edelsteinen flimmerte.


Da ward die Prinzessin mit dem Grafen versprochen,

und als der König starb, ward er König,

der gestiefelte Kater aber wurde erster Minister.

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Название документа 16. Звездные талеры.doc

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Die Sterntaler


Es war einmal ein kleines Mädchen,

dem war Vater und Mutter gestorben,

und es war so arm,

dass es kein Zimmer mehr hatte, um darin zu wohnen,

und kein Bettchen mehr hatte, um darin zu schlafen,

und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib

und ein Stückchen Brot in der Hand,

das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte.

Das Mädchen war aber sehr lieb.

Und weil es so von aller Welt verlassen war,

ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.

Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach:

»Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.«

Das kleine Mädchen reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte:

»Gott segne dir’s«,

und ging weiter.

Da kam ein Kind, das jammerte und sprach:

»Es friert mich so an meinem Kopfe,

schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.«

Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm.

Und als es noch eine Weile gegangen war,

kam wieder ein Kind

und hatte keine Jacke an und fror:

da gab es ihm seine;

und noch weiter,

da bat eins um ein Röcklein,

das gab es auch von sich hin.

Endlich gelangte es in einen Wald,

und es war schon dunkel geworden,

da kam noch ein Kind und bat um ein Hemdlein,

und das fromme Mädchen dachte:

»Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand,

du kannst wohl dein Hemd weggeben«,

und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte,

fielen auf einmal die Sterne vom Himmel,

und es waren lauter blanke Taler;

und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben,

so hatte es ein neues an,

und das war vom allerfeinsten Leinen.

Da sammelte es sich die Taler hinein

und war sein ganzes Leben lang reich.

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Название документа 17. Румпельштильцхен.doc

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Rumpelstilzchen


Es war einmal ein Müller,

der war arm,

aber er hatte eine schöne Tochter.

Nun traf es sich,

dass er mit dem König zu sprechen kam

und zu ihm sagte:

»Ich habe eine Tochter,

die kann Stroh zu Gold spinnen.«

Dem König, der das Gold lieb hatte,

gefiel die Kunst gar wohl und er befahl,

die Müllerstochter sollte alsbald vor ihm gebracht werden;

dann führte er sie in eine Kammer, die ganz voll Stroh war,

gab ihr Rad und Haspel und sprach:

»Wenn du diese Nacht durch bis morgen früh

dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast,

so musst du sterben.«

Darauf ward die Kammer verschlossen,

und sie blieb allein darin.


Da saß nun die arme Müllerstochter

und wusste um ihr Leben keinen Rat;

denn sie verstand gar nichts davon,

wie das Stroh zu Gold zu spinnen war,

und ihre Angst ward immer größer,

dass sie endlich zu weinen anfing.

Da ging auf einmal die Türe auf

und es trat ein kleines Männchen herein und sprach:

»Guten Abend, Jungfer Müllerin,

warum weint Sie so sehr?«

»Ach«, antwortete das Mädchen,

»ich soll Stroh zu Gold spinnen und verstehe das nicht.«

Sprach das Männchen:

»Was gibst du mir, wenn ich dir’s spinne?«

»Mein Halsband,« sagte das Mädchen.

Das Männchen nahm das Halsband,

setzte sich vor das Rädchen,

und schnurr, schnurr, schnurr,

dreimal gezogen, war die Spule voll.

Dann steckte es eine andere auf,

und schnurr, schnurr, schnurr,

dreimal gezogen, war auch die zweite voll;

und so ging’s fort bis zum Morgen,

da war alles Stroh versponnen,

und alle Spulen waren voll Gold.

Als der König kam und nachsah,

da erstaunte er und freute sich,

aber sein Herz wurde nur noch begieriger.

und er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen,

die noch viel größer war,

und befahl ihr, das auch in einer Nacht zu spinnen,

wenn ihr das Leben lieb wäre.

Das Mädchen wusste sich nicht zu helfen und weinte,

da ging abermals die Türe auf,

und das kleine Männchen kam und sprach:

»Was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?«

»Meinen Ring von dem Finger«, antwortete das Mädchen.

Das Männchen nahm den Ring,

und fing wieder an zu schnurren mit dem Rade

und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen.

Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick,

war aber noch immer nicht Goldes satt,

sondern ließ die Müllerstochter

in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen

und sprach:

»Die musst du noch in dieser Nacht verspinnen:

wenn dir das gelingt, sollst du meine Gemahlin werden.«

»Denn«, dachte er,

»eine reichere Frau kannst du auf der Welt nicht haben.«

Als das Mädchen allein war,

kam das Männlein zum dritten Mal wieder und sprach:

»Was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?«

»Ich habe nichts mehr, das ich dir geben könnte«, antwortete das Mädchen.

»So versprich mir, wann du Königin wirst, dein erstes Kind.«

»Wer weiß, wie das noch geht«, dachte die Müllerstochter

und wusste sich auch in der Not nicht anders zu helfen;

und versprach dem Männchen, was es verlangte.

Dafür spann das Männchen noch einmal das Stroh zu Gold.

Und als am Morgen der König kam

und alles fand, wie er gewünscht hatte,

so hielt er Hochzeit mit ihr,

und die schöne Müllerstochter ward eine Königin.


Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt

und dachte gar nicht mehr an das Männchen:

da trat es in ihre Kammer und sprach:

»Nun gib mir, was du versprochen hast.«

Die Königin erschrak

und bot dem Männchen alle Reichtümer des Königreichs an,

wenn es ihr das Kind lassen sollte.

Aber das Männchen sprach:

»Nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt.«

Da fing die Königin so an zu jammern und zu weinen,

dass das Männchen Mitleiden mit ihr hatte und sprach:

»Drei Tage will ich dir Zeit lassen;

wenn du bis dahin meinen Namen weißt,

so sollst du dein Kind behalten.«


Nun dachte die Königin die ganze Nacht über an alle Namen,

die sie jemals gehört hatte,

und schickte einen Boten über das Land,

der sollte sich erkundigen weit und breit nach neuen Namen.

Am anderen Tag, als das Männchen kam,

fing sie an mit Kaspar, Melchior, Baltasar

und sagte alle Namen, die sie wusste, nach der Reihe her,

aber bei jedem sprach das Männlein:

»So heiß ich nicht.«

Den zweiten Tag ließ sie herumfragen bei allen Leuten,

und sagte dem Männlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten vor:

»Rippenbiest, Hammelswade, Schnürbein.«

Aber es blieb dabei: »So heiß ich nicht.«

Den dritten Tag kam der Bote wieder zurück und erzählte:

»Neue Namen habe ich keinen einzigen finden können,

aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam,

wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen,

so sah ich da ein kleines Haus,

und vor dem Haus brannte ein Feuer,

und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen,

hüpfte auf einem Bein und schrie:

›Heute back ich, morgen brau ich,

übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;

ach, wie gut, dass niemand weiß,

dass ich Rumpelstilzchen heiß!‹«

Da war die Königin ganz froh, dass sie den Namen wusste,

und als bald hernach das Männchen kam und sprach:

»Nun, Frau Königin, wie heiß ich?«,

fragte sie erst: »Heißest du Kunz?«

»Nein«.

»Heißest du Heinz?«

»Nein«.

»Heißt du etwa Rumpelstilzchen?«

»Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt«,

schrie das Männlein

und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde,

dass es bis an den Leib hineinfuhr,

dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen

und riss sich selbst mitten entzwei.

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Название документа 2. Бременские музыканты.doc

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Die Bremer Stadtmusikanten

Es war einmal ein Mann, der hatte einen Esel, welcher schon lange Jahre unverdrossen die Säcke in die Mühle getragen hatte. Nun aber gingen die Kräfte des Esels zu Ende, so daß er zur Arbeit nicht mehr taugte. Da dachte der Herr daran, ihn wegzugehen. Aber der Esel merkte, daß sein Herr etwas Böses im Sinn hatte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen. Dort, so meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden.

Als er schon eine Weile gegangen war, fand er einen Jagdhund am Wege liegen, der jämmerlich heulte. "Warum heulst du denn so, Packan?" fragte der Esel.

"Ach", sagte der Hund, "weil ich alt bin, jeden Tag schwächer werde und auch nicht mehr auf die Jagd kann, wollte mich mein Herr totschießen. Da hab ich Reißaus genommen. Aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?"

"Weißt du, was", sprach der Esel, "ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant. Komm mit mir und laß dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken." Der Hund war einverstanden, und sie gingen mitsammen weiter.

Es dauerte nicht lange, da sahen sie eine Katze am Wege sitzen, die machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. "Was ist denn dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?" fragte der Esel.

"Wer kann da lustig sein, wenn's einem an den Kragen geht", antwortete die Katze. "Weil ich nun alt bin, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als nach Mäusen herumjage, hat mich meine Frau ersäufen wollen. Ich konnte mich zwar noch davonschleichen, aber nun ist guter Rat teuer. Wo soll ich jetzt hin?"

"Geh mit uns nach Bremen! Du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du Stadtmusikant werden." Die Katze hielt das für gut und ging mit.

Als die drei so miteinander gingen, kamen sie an einem Hof vorbei. Da saß der Haushahn auf dem Tor und schrie aus Leibeskräften. "Du schreist einem durch Mark und Bein", sprach der Esel, "was hast du vor?"

"Die Hausfrau hat der Köchin befohlen, mir heute abend den Kopf abzusschlagen. Morgen, am Sonntag, haben sie Gäste, da wollen sie mich in der Suppe essen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch kann."

"Ei was" sagte der Esel, "zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall. Du hast eine gute Stimme, und wenn wir mitsammen musizieren, wird es gar herrlich klingen." Dem Hahn gefiel der Vorschlag, und sie gingen alle vier mitsammen fort.

Sie konnten aber die Stadt Bremen an einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze kletterte auf einen Ast, und der Hahn flog bis in den Wipfel, wo es am sichersten für ihn war.

Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Windrichtungen um. Da bemerkte er einen Lichtschein. Er sagte seinen Gefährten, daß in der Nähe ein Haus sein müsse, denn er sehe ein Licht. Der Esel antwortete: "So wollen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht." Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch daran täten ihm auch gut.

Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war. Bald sahen sie es heller schimmern, und es wurde immer größer, bis sie vor ein hellerleuchtetes Räuberhaus kamen. Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein.

"Was siehst du, Grauschimmel?" fragte der Hahn.

"Was ich sehe?" antwortete der Esel. "Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen rundherum und lassen sich's gutgehen!"

"Das wäre etwas für uns", sprach der Hahn.

Da überlegten die Tiere, wie sie es anfangen könnten, die Räuber hinauszujagen. Endlich fanden sie ein Mittel. Der Esel stellte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster, der Hund sprang auf des Esels Rücken, die Katze kletterte auf den Hund, und zuletzt flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Als das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte. Darauf stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, daß die Scheiben klirrten.

Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe. Sie meinten, ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus.

Nun setzten sie die vier Gesellen an den Tisch, und jeder aß nach Herzenslust von den Speisen, die ihm am besten schmeckten.

Als sie fertig waren, löschten sie das Licht aus, und jeder suchte sich eine Schlafstätte nach seinem Geschmack. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Tür, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, und der Hahn flog auf das Dach hinauf. Und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie bald ein.

Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, daß kein Licht mehr im Haus brannte und alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: "Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen." Er schickte einen Räuber zurück, um nachzusehen, ob noch jemand im Hause wäre.

Der Räuber fand alles still. Er ging in die Küche und wollte ein Licht anzünden. Da sah er die feurigen Augen der Katze und meinte, es wären glühende Kohlen. Er hielt ein Schwefelhölzchen daran, daß es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht und kratzte ihn aus Leibeskräften. Da erschrak er gewaltig und wollte zur Hintertür hinauslaufen. Aber der Hund, der da lag, sprang auf und biß ihn ins Bein. Als der Räuber über den Hof am Misthaufen vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß. Der Hahn aber, der von dem Lärm aus dem Schlaf geweckt worden war, rief vom Dache herunter: "Kikeriki!"

Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: "Ach, in dem Haus sitzt eine greuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mir mit ihren langen Fingern das Gesicht zerkratzt. An der Tür steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen. Auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einem Holzprügel auf mich losgeschlagen. Und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: 'Bringt mir den Schelm her!' Da machte ich, daß ich fortkam."

Von nun an getrauten sich die Räuber nicht mehr in das Haus. Den vier Bremer Stadtmusikanten aber gefiel's darin so gut, daß sie nicht wieder hinaus wollten.



Название документа 3. Рапунцель.doc

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Rapunzel

Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen. Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter stand; er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hineinzugehen, weil er einer Zauberin gehörte, die grosse Macht hatte und von aller Welt gefürchtet ward. Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sah in den Garten hinab, da erblickte sie ein Beet, das mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war; und sie sahen so frisch und grün aus, dass sie lüstern ward und das grösste Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wusste, dass sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah blass und elend aus. Da erschrak der Mann und fragte: "Was fehlt dir, liebe Frau?" - "Ach," antwortete sie, "wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Hause zu essen kriege, so sterbe ich." Der Mann, der sie lieb hatte, dachte: "Eh du deine Frau sterben lässest, holst du ihr von den Rapunzeln, es mag kosten, was es will." In der Abenddämmerung stieg er also über die Mauer in den Garten der Zauberin, stach in aller Eile eine Handvoll Rapunzeln und brachte sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich Salat daraus und ass sie in voller Begierde auf. Sie hatten ihr aber so gut, so gut geschmeckt, dass sie den andern Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Sollte sie Ruhe haben, so musste der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich also in der Abenddämmerung wieder hinab, als er aber die Mauer herabgeklettert war, erschrak er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen. "Wie kannst du es wagen," sprach sie mit zornigem Blick, "in meinen Garten zu steigen und wie ein Dieb mir meine Rapunzeln zu stehlen? Das soll dir schlecht bekommen." - "Ach," antwortete er, "lasst Gnade für Recht ergehen, ich habe mich nur aus Not dazu entschlossen: meine Frau hat Eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt, und empfindet ein so grosses Gelüsten, dass sie sterben würde, wenn sie nicht davon zu essen bekäme." Da liess die Zauberin in ihrem Zorne nach und sprach zu ihm: "Verhält es sich so, wie du sagst, so will ich dir gestatten, Rapunzeln mitzunehmen, soviel du willst, allein ich mache eine Bedingung: Du musst mir das Kind geben, das deine Frau zur Welt bringen wird. Es soll ihm gut gehen, und ich will für es sorgen wie eine Mutter." Der Mann sagte in der Angst alles zu, und als die Frau in Wochen kam, so erschien sogleich die Zauberin, gab dem Kinde den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort.

Rapunzel ward das schönste Kind unter der Sonne. Als es zwölf Jahre alt war, schloss es die Zauberin in einen Turm, der in einem Walde lag, und weder Treppe noch Türe hatte, nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich hin und rief:

"Rapunzel, Rapunzel,
Lass mir dein Haar herunter."

Rapunzel hatte lange prächtige Haare, fein wie gesponnen Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zöpfe los, wickelte sie oben um einen Fensterhaken, und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter, und die Zauberin, stieg daran hinauf.

Nach ein paar Jahren trug es sich zu, dass der Sohn des Königs durch den Wald ritt und an dem Turm vorüberkam. Da hörte er einen Gesang, der war so lieblich, dass er still hielt und horchte. Das war Rapunzel, die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit vertrieb, ihre süsse Stimme erschallen zu lassen. Der Königssohn wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte nach einer Türe des Turms, aber es war keine zu finden. Er ritt heim, doch der Gesang hatte ihm so sehr das Herz gerührt, dass er jeden Tag hinaus in den Wald ging und zuhörte. Als er einmal so hinter einem Baum stand, sah er, dass eine Zauberin herankam, und hörte, wie sie hinaufrief:

"Rapunzel, Rapunzel,
Lass dein Haar herunter."

Da liess Rapunzel die Haarflechten herab, und die Zauberin stieg zu ihr hinauf. "Ist das die Leiter, auf welcher man hinaufkommt, so will ich auch einmal mein Glück versuchen." Und den folgenden Tag, als es anfing dunkel zu werden, ging er zu dem Turme und rief:

"Rapunzel, Rapunzel,
Lass dein Haar herunter."

Alsbald fielen die Haare herab, und der Königssohn stieg hinauf.

Anfangs erschrak Rapunzel gewaltig, als ein Mann zu ihr hereinkam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten, doch der Königssohn fing an ganz freundlich mit ihr zu reden und erzählte ihr, dass von ihrem Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, dass es ihm keine Ruhe gelassen und er sie selbst habe sehen müssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte, ob sie ihn zum Mann nehmen wollte, und sie sah, dass er jung und schön war, so dachte sie: "Der wird mich lieber haben als die alte Frau Gothel," und sagte ja, und legte ihre Hand in seine Hand. Sie sprach: "Ich will gerne mit dir gehen, aber ich weiss nicht, wie ich herabkommen kann. Wenn du kommst, so bringe jedesmal einen Strang Seide mit, daraus will ich eine Leiter flechten, und wenn die fertig ist, so steige ich herunter und du nimmst mich auf dein Pferd." Sie verabredeten, dass er bis dahin alle Abend zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte. Die Zauberin merkte auch nichts davon, bis einmal Rapunzel anfing und zu ihr sagte: "Sag Sie mir doch, Frau Gothel, wie kommt es nur, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge Königssohn, der ist in einem Augenblick bei mir." - "Ach du gottloses Kind," rief die Zauberin, "was muss ich von dir hören, ich dachte, ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen!" In ihrem Zorne packte sie die schönen Haare der Rapunzel, schlug sie ein paarmal um ihre linke Hand, griff eine Schere mit der rechten, und ritsch, ratsch waren sie abgeschnitten, und die schönen Flechten lagen auf der Erde. Und sie war so unbarmherzig, dass sie die arme Rapunzel in eine Wüstenei brachte, wo sie in grossem Jammer und Elend leben musste.

Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstossen hatte, machte abends die Zauberin die abgeschnittenen Flechten oben am Fensterhaken fest, und als der Königssohn kam und rief:

"Rapunzel, Rapunzel,
Lass dein Haar herunter."

so liess sie die Haare hinab. Der Königssohn stieg hinauf, aber er fand oben nicht seine liebste Rapunzel, sondern die Zauberin, die ihn mit bösen und giftigen Blicken ansah. "Aha," rief sie höhnisch, "du willst die Frau Liebste holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und singt nicht mehr, die Katze hat ihn geholt und wird dir auch noch die Augen auskratzen. Für dich ist Rapunzel verloren, du wirst sie nie wieder erblicken." Der Königssohn geriet ausser sich vor Schmerzen, und in der Verzweiflung sprang er den Turm herab: das Leben brachte er davon, aber die Dornen, in die er fiel, zerstachen ihm die Augen. Da irrte er blind im Walde umher, ass nichts als Wurzeln und Beeren, und tat nichts als jammern und weinen über den Verlust seiner liebsten Frau. So wanderte er einige Jahre im Elend umher und geriet endlich in die Wüstenei, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einem Knaben und Mädchen, kümmerlich lebte. Er vernahm eine Stimme, und sie deuchte ihn so bekannt; da ging er darauf zu, und wie er herankam, erkannte ihn Rapunzel und fiel ihm um den Hals und weinte. Zwei von ihren Tränen aber benetzten seine Augen, da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonst. Er führte sie in sein Reich, wo er mit Freude empfangen ward, und sie lebten noch lange glücklich und vergnügt.

Название документа 4. Белоснежка и Розочка.doc

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Schneeweisschen und Rosenrot


Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttchen, und vor dem Hüttchen war ein Garten, darin standen zwei Rosenbäumchen, davon trug das eine weiße, das andere rote Rosen; und sie hatte zwei Kinder, die glichen den beiden Rosenbäumchen, und das eine hieß Schneeweißchen, das andere Rosenrot. Sie waren aber so fromm und gut, so arbeitsam und unverdrossen, als je zwei Kinder auf der Welt gewesen sind: Schneeweißchen war nur stiller und sanfter als Rosenrot. Rosenrot sprang lieber in den Wiesen und Feldern umher, suchte Blumen und fing Sommervögel; Schneeweißchen aber saß daheim bei der Mutter, half ihr im Hauswesen oder las ihr vor, wenn nichts zu tun war. Die beiden Kinder hatten einander so lieb, daß sie sich immer an den Händen faßten, sooft sie zusammen ausgingen; und wenn Schneeweißchen sagte: »Wir wollen uns nicht verlassen«, so antwortete Rosenrot: »Solange wir leben, nicht«, und die Mutter setzte hinzu: »Was das eine hat, soll's mit dem andern teilen.« Oft liefen sie im Walde allein umher und sammelten rote Beeren, aber kein Tier tat ihnen etwas zuleid, sondern sie kamen vertraulich herbei: das Häschen fraß ein Kohlblatt aus ihren Händen, das Reh graste an ihrer Seite, der Hirsch sprang ganz lustig vorbei, und die Vögel blieben auf den Ästen sitzen und sangen, was sie nur wußten. Kein Unfall traf sie - wenn sie sich im Walde verspätet hatten und die Nacht sie überfiel, so legten sie sich nebeneinander auf das Moos und schliefen, bis der Morgen kam, und die Mutter wußte das und hatte ihrentwegen keine Sorge. Einmal, als sie im Walde übernachtet hatten und das Morgenrot sie aufweckte, da sahen sie ein schönes Kind in einem weißen, glänzenden Kleidchen neben ihrem Lager sitzen. Es stand auf und blickte sie ganz freundlich an, sprach aber nichts und ging in den Wald hinein. Und als sie sich umsahen, so hatten sie ganz nahe bei einem Abgrunde geschlafen und wären gewiß hineingefallen, wenn sie in der Dunkelheit noch ein paar Schritte weitergegangen wären. Die Mutter aber sagte ihnen, das müßte der Engel gewesen sein, der gute Kinder bewache.


Schneeweißchen und Rosenrot hielten das Hüttchen der Mutter so reinlich, daß es eine Freude war hineinzuschauen. Im Sommer besorgte Rosenrot das Haus und stellte der Mutter jeden Morgen, ehe sie aufwachte, einen Blumenstrauß vors Bett, darin war von jedem Bäumchen eine Rose. Im Winter zündete Schneeweißchen das Feuer an und hing den Kessel an den Feuerhaken, und der Kessel war von Messing, glänzte aber wie Gold, so rein war er gescheuert. Abends, wenn die Flocken fielen, sagte die Mutter: »Geh, Schneeweißchen, und schieb den Riegel vor«, und dann setzten sie sich an den Herd, und die Mutter nahm die Brille und las aus einem großen Buche vor und die beiden Mädchen hörten zu, saßen und spannen; neben ihnen lag ein Lämmchen auf dem Boden, und hinter ihnen auf einer Stange saß ein weißes Täubchen und hatte seinen Kopf unter den Flügel gesteckt.


Eines Abends, als sie so vertraulich beisammensaßen, klopfte jemand an die Türe, als wollte er eingelassen sein. Die Mutter sprach: »Geschwind, Rosenrot, mach auf, es wird ein Wanderer sein, der Obdach sucht.« Rosenrot ging und schob den Riegel weg und dachte, es wäre ein armer Mann, aber der war es nicht, es war ein Bär, der seinen dicken schwarzen Kopf zur Türe hereinstreckte. Rosenrot schrie laut und sprang zurück: das Lämmchen blökte, das Täubchen flatterte auf, und Schneeweißchen versteckte sich hinter der Mutter Bett. Der Bär aber fing an zu sprechen und sagte: »Fürchtet euch nicht, ich tue euch nichts zuleid, ich bin halb erfroren und will mich nur ein wenig bei euch wärmen.« »Du armer Bär«, sprach die Mutter, »leg dich ans Feuer und gib nur acht, daß dir dein Pelz nicht brennt.« Dann rief sie: »Schneeweißchen, Rosenrot, kommt hervor, der Bär tut euch nichts, er meint's ehrlich.« Da kamen sie beide heran, und nach und nach näherten sich auch das Lämmchen und Täubchen und hatten keine Furcht vor ihm. Der Bär sprach: »Ihr Kinder, klopft mir den Schnee ein wenig aus dem Pelzwerk«, und sie holten den Besen und kehrten dem Bär das Fell rein; er aber streckte sich ans Feuer und brummte ganz vergnügt und behaglich. Nicht lange, so wurden sie ganz vertraut und trieben Mutwillen mit dem unbeholfenen Gast. Sie zausten ihm das Fell mit den Händen, setzten ihre Füßchen auf seinen Rücken und walgerten ihn hin und her, oder sie nahmen eine Haselrute und schlugen auf ihn los, und wenn er brummte, so lachten sie. Der Bär ließ sich's aber gerne gefallen, nur wenn sie's gar zu arg machten, rief er: »Laßt mich am Leben, ihr Kinder.


Schneeweißchen, Rosenrot,

schlägst dir den Freier tot.«


Als Schlafenszeit war und die andern zu Bett gingen, sagte die Mutter zu dem Bär: »Du kannst in Gottes Namen da am Herde liegenbleiben, so bist du vor der Kälte und dem bösen Wetter geschützt.« Sobald der Tag graute, ließen ihn die beiden Kinder hinaus, und er trabte über den Schnee in den Wald hinein. Von nun an kam der Bär jeden Abend zu der bestimmten Stunde, legte sich an den Herd und erlaubte den Kindern, Kurzweil mit ihm zu treiben, soviel sie wollten; und sie waren so gewöhnt an ihn, daß die Türe nicht eher zugeriegelt ward, als bis der schwarze Gesell angelangt war.


Als das Frühjahr herangekommen und draußen alles grün war, sagte der Bär eines Morgens zu Schneeweißchen: »Nun muß ich fort und darf den ganzen Sommer nicht wiederkommen.« »Wo gehst du denn hin, lieber Bär?« fragte Schneeweißchen. »Ich muß in den Wald und meine Schätze vor den bösen Zwergen hüten: im Winter, wenn die Erde hartgefroren ist, müssen sie wohl unten bleiben und können sich nicht durcharbeiten, aber jetzt, wenn die Sonne die Erde aufgetaut und erwärmt hat, da brechen sie durch, steigen herauf, suchen und stehlen; was einmal in ihren Händen ist und in ihren Höhlen liegt, das kommt so leicht nicht wieder an des Tages Licht.« Schneeweißchen war ganz traurig über den Abschied, und als es ihm die Türe aufriegelte und der Bär sich hinausdrängte, blieb er an dem Türhaken hängen, und ein Stück seiner Haut riß auf, und da war es Schneeweißchen, als hätte es Gold durchschimmern gesehen; aber es war seiner Sache nicht gewiß. Der Bär lief eilig fort und war bald hinter den Bäumen verschwunden.


Nach einiger Zeit schickte die Mutter die Kinder in den Wald, Reisig zu sammeln. Da fanden sie draußen einen großen Baum, der lag gefällt auf dem Boden, und an dem Stamme sprang zwischen dem Gras etwas auf und ab, sie konnten aber nicht unterscheiden, was es war. Als sie näher kamen, sahen sie einen Zwerg mit einem alten, verwelkten Gesicht und einem ellenlangen, schneeweißen Bart. Das Ende des Bartes war in eine Spalte des Baums eingeklemmt, und der Kleine sprang hin und her wie ein Hündchen an einem Seil und wußte nicht, wie er sich helfen sollte. Er glotzte die Mädchen mit seinen roten feurigen Augen an und schrie. »Was steht ihr da! Könnt ihr nicht herbeigehen und mir Beistand leisten?« »Was hast du angefangen, kleines Männchen?« fragte Rosenrot. »Dumme, neugierige Gans«, antwortete der Zwerg, »den Baum habe ich mir spalten wollen, um kleines Holz in der Küche zu haben; bei den dicken Klötzen verbrennt gleich das bißchen Speise, das unsereiner braucht, der nicht so viel hinunterschlingt als ihr grobes, gieriges Volk. Ich hatte den Keil schon glücklich hineingetrieben, und es wäre alles nach Wunsch gegangen, aber das verwünschte Holz war zu glatt und sprang unversehens heraus, und der Baum fuhr so geschwind zusammen, daß ich meinen schönen weißen Bart nicht mehr herausziehen konnte; nun steckt er drin, und ich kann nicht fort. Da lachen die albernen glatten Milchgesichter! Pfui, was seid ihr garstig!« Die Kinder gaben sich alle Mühe, aber sie konnten den Bart nicht herausziehen, er steckte zu fest. »Ich will laufen und Leute herbeiholen«, sagte Rosenrot. »Wahnsinnige Schafsköpfe«, schnarrte der Zwerg, »wer wird gleich Leute herbeirufen, ihr seid mir schon um zwei zu viel; fällt euch nicht Besseres ein?« »Sei nur nicht ungeduldig«, sagte Schneeweißchen, »ich will schon Rat schaffen», holte sein Scherchen aus der Tasche und schnitt das Ende des Bartes ab. Sobald der Zwerg sich frei fühlte, griff er nach einem Sack, der zwischen den Wurzeln des Baums steckte und mit Gold gefüllt war, hob ihn heraus und brummte vor sich hin: »Ungehobeltes Volk, schneidet mir ein Stück von meinem stolzen Barte ab! Lohn's euch der Guckuck!« Damit schwang er seinen Sack auf den Rücken und ging fort, ohne die Kinder nur noch einmal anzusehen.


Einige Zeit danach wollten Schneeweißchen und Rosenrot ein Gericht Fische angeln. Als sie nahe bei dem Bach waren, sahen sie, daß etwas wie eine große Heuschrecke nach dem Wasser zuhüpfte, als wollte es hineinspringen. Sie liefen heran und erkannten den Zwerg. »Wo willst du hin?« sagte Rosenrot, »du willst doch nicht ins Wasser?« »Solch ein Narr bin ich nicht«, schrie der Zwerg, »seht ihr nicht, der verwünschte Fisch will mich hineinziehen?« Der Kleine hatte dagesessen und geangelt, und unglücklicherweise hatte der Wind seinen Bart mit der Angelschnur verflochten; als gleich darauf ein großer Fisch anbiß, fehlten dem schwachen Geschöpf die Kräfte, ihn herauszuziehen: der Fisch behielt die Oberhand und riß den Zwerg zu sich hin. Zwar hielt er sich an allen Halmen und Binsen, aber das half nicht viel, er mußte den Bewegungen des Fisches folgen und war in beständiger Gefahr, ins Wasser gezogen zu werden. Die Mädchen kamen zu rechter Zeit, hielten ihn fest und versuchten, den Bart von der Schnur loszumachen, aber vergebens, Bart und Schnur waren fest ineinander verwirrt. Es blieb nichts übrig, als das Scherchen hervorzuholen und den Bart abzuschneiden, wobei ein kleiner Teil desselben verlorenging. Als der Zwerg das sah, schrie er sie an: »Ist das Manier, ihr Lorche, einem das Gesicht zu schänden? Nicht genug, daß ihr mir den Bart unten abgestutzt habt, jetzt schneidet ihr mir den besten Teil davon ab: ich darf mich vor den Meinigen gar nicht sehen lassen. Daß ihr laufen müßtet und die Schuhsohlen verloren hättet!« Dann holte er einen Sack Perlen, der im Schilfe lag, und ohne ein Wort weiter zu sagen, schleppte er ihn fort und verschwand hinter einem Stein.


Es trug sich zu, daß bald hernach die Mutter die beiden Mädchen nach der Stadt schickte, Zwirn, Nadeln, Schnüre und Bänder einzukaufen. Der Weg führte sie über eine Heide, auf der hier und da mächtige Felsenstücke zerstreut lagen. Da sahen sie einen großen Vogel in der Luft schweben, der langsam über ihnen kreiste, sich immer tiefer herabsenkte und endlich nicht weit bei einem Felsen niederstieß. Gleich darauf hörten sie einen durchdringenden, jämmerlichen Schrei. Sie liefen herzu und sahen mit Schrecken, daß der Adler ihren alten Bekannten, den Zwerg, gepackt hatte und ihn forttragen wollte. Die mitleidigen Kinder hielten gleich das Männchen fest und zerrten sich so lange mit dem Adler herum, bis er seine Beute fahrenließ. Als der Zwerg sich von dem ersten Schrecken erholt hatte, schrie er mit einer kreischenden Stimme: »Konntet ihr nicht säuberlicher mit mir umgehen? Gerissen habt ihr an meinem dünnen Röckchen, daß es überall zerfetzt und durchlöchert ist, unbeholfenes und läppisches Gesindel, das ihr seid!« Dann nahm er einen Sack mit Edelsteinen und schlüpfte wieder unter den Felsen in seine Höhle. Die Mädchen waren an seinen Undank schon gewöhnt, setzten ihren Weg fort und verrichteten ihr Geschäft in der Stadt. Als sie beim Heimweg wieder auf die Heide kamen, überraschten sie den Zwerg, der auf einem reinlichen Plätzchen seinen Sack mit Edelsteinen ausgeschüttet und nicht gedacht hatte, daß so spät noch jemand daherkommen würde. Die Abendsonne schien über die glänzenden Steine, sie schimmerten und leuchteten so prächtig in allen Farben, daß die Kinder stehenblieben und sie betrachteten. »Was steht ihr da und habt Maulaffen feil!« schrie der Zwerg, und sein aschgraues Gesicht ward zinnoberrot vor Zorn. Er wollte mit seinen Scheltworten fortfahren, als sich ein lautes Brummen hören ließ und ein schwarzer Bär aus dem Walde herbeitrabte. Erschrocken sprang der Zwerg auf, aber er konnte nicht mehr zu seinem Schlupfwinkel gelangen, der Bär war schon in seiner Nähe. Da rief er in Herzensangst: »Lieber Herr Bär, verschont mich, ich will Euch alle meine Schätze geben, sehet, die schönen Edelsteine, die da liegen. Schenkt mir das Leben, was habt Ihr an mir kleinen, schmächtigen Kerl? Ihr spürt mich nicht zwischen den Zähnen; da, die beiden gottlosen Mädchen packt, das sind für Euch zarte Bissen, fett wie junge Wachteln, die freßt in Gottes Namen.« Der Bär kümmerte sich um seine Worte nicht, gab dem boshaften Geschöpf einen einzigen Schlag mit der Tatze, und es regte sich nicht mehr.


Die Mädchen waren fortgesprungen, aber der Bär rief ihnen nach: »Schneeweißchen und Rosenrot, fürchtet euch nicht, wartet, ich will mit euch gehen.« Da erkannten sie seine Stimme und blieben stehen, und als der Bär bei ihnen war, fiel plötzlich die Bärenhaut ab, und er stand da als ein schöner Mann und war ganz in Gold gekleidet. »Ich bin eines Königs Sohn«, sprach er, »und war von dem gottlosen Zwerg, der mir meine Schätze gestohlen hatte, verwünscht, als ein wilder Bär in dem Walde zu laufen, bis ich durch seinen Tod erlöst würde. Jetzt hat er seine wohlverdiente Strafe empfangen.«


Schneeweißchen ward mit ihm vermählt und Rosenrot mit seinem Bruder, und sie teilten die großen Schätze miteinander, die der Zwerg in seiner Höhle zusammengetragen hatte. Die alte Mutter lebte noch lange Jahre ruhig und glücklich bei ihren Kindern. Die zwei Rosenbäumchen aber nahm sie mit, und sie standen vor ihrem Fenster und trugen jedes Jahr die schönsten Rosen, weiß und rot.



Название документа 5. Заяц и еж.doc

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Der Hase und der Igel


Diese Geschichte ist eigentlich gelogen, Kinder, aber wahr ist sie doch,

denn mein Großvater, von dem ich sie habe,

pflegte immer, wenn er sie erzählte, zu sagen:

»Wahr muss sie sein, mein Sohn,

sonst könnte man sie ja nicht erzählen.«

Die Geschichte aber hat sich so zugetragen.


Es war an einem Sonntagmorgen im Herbst,

gerade als der Buchweizen blühte;

die Sonne war am Himmel aufgegangen,

und der Wind strich warm über die Stoppeln,

die Lerchen sangen hoch in der Luft,

und die Bienen summten im Buchweizen.

Die Leute gingen in ihrem Sonntagsstaat zur Kirche,

und alle Geschöpfe waren vergnügt, auch der Igel.


Er stand vor seiner Tür, hatte die Arme verschränkt,

er guckte in den Morgenwind hinaus

und trällerte ein kleines Liedchen vor sich hin,

so gut und so schlecht

wie am Sonntagmorgen ein Igel eben zu singen pflegt.

Während er nun so vor sich hinsang, fiel ihm plötzlich ein,

er könnte doch,

während seine Frau die Kinder wusch und ankleidete,

ein bisschen im Feld spazieren gehen und nachsehen,

wie die Steckrüben standen.

Die Steckrüben waren ganz nah bei seinem Haus,

und er pflegte sie mit seiner Familie zu essen,

darum sah er sie auch als die seinigen an.


Gedacht, getan.

Er schloss die Haustür hinter sich und schlug den Weg zum Feld ein.

Er war noch nicht sehr weit

und wollte gerade um den Schlehenbusch herum,

der vor dem Feld stand,

als er den Hasen erblickte,

der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war,

nämlich um seinen Kohl zu besehen.

Als der Igel den Hasen sah, wünschte er ihm freundlich einen guten Morgen.

Der Hase aber, der auf seine Weise ein vornehmer Herr war

und grausam hochfahrend noch dazu,

antwortete gar nicht auf des Igels Gruß,

sondern sagte mit höhnischer Miene:

»Wie kommt es,

dass du hier schon so am frühen Morgen im Feld herumläufst?«

»Ich gehe spazieren«, sagte der Igel.

»Spazieren?« lachte der Hase.

»Du könntest deine Beine schon zu besseren Dingen gebrauchen.«

Diese Antwort verdross den Igel sehr.

Alles kann er vertragen, aber auf seine Beine lässt er nichts kommen,

gerade weil sie von Natur aus krumm sind.

»Du bildest dir wohl ein,

du könntest mit deinen Beinen mehr ausrichten?« sagte er.

»Das will ich meinen«, sagte der Hase.

»Nun, das kommt auf einen Versuch an«, meinte der Igel.

»Ich wette, wenn wir um die Wette laufen,

ich lauf schneller als du.«

»Du – mit deinen krummen Beinen?« sagte der Hase.

»Das ist ja zum Lachen.

Aber wenn du so große Lust hast – was gilt die Wette?«

»Einen Golddukaten und eine Flasche Branntwein«, sagte der Igel.

»Angenommen«, sagte der Hase,

»schlag ein, und dann kann es gleich losgehen.«

»Nein, so große Eile hat es nicht«, meinte der Igel,

»ich hab' noch gar nichts gegessen;

erst will ich nach Hause gehen und ein bisschen was frühstücken.

In einer Stunde bin ich wieder hier.«


Damit ging er, und der Hase war es zufrieden.

Unterwegs aber dachte der Igel bei sich:

»Der Hase verlässt sich auf seine langen Beine,

aber ich will ihn schon kriegen.

Er ist zwar ein vornehmer Herr,

aber doch ein dummer Kerl,

und das soll er bezahlen.«


Als er nun nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau:

»Frau, zieh dich rasch an,

du musst mit mir ins Feld hinaus.«

»Was gibt es denn?« fragte die Frau.

»Ich habe mit dem Hasen

um einen Golddukaten und eine Flasche Branntwein gewettet,

dass ich mit ihm um die Wette laufen will.

Und da sollst du dabei sein.«

»O mein Gott, Mann«, begann die Frau loszuschreien,

»hast du denn ganz den Verstand verloren?

Wie willst du mit dem Hasen um die Wette laufen?«

»Halt das Maul, Weib«, sagte der Igel,

»das ist meine Sache.

Misch dich nicht in Männergeschäfte!

Marsch, zieh dich an und komm mit!«

Was sollte also die Frau des Igels tun?

Sie musste gehorchen, ob sie wollte oder nicht.


Als sie miteinander unterwegs waren,

sprach der Igel zu seiner Frau:

»Nun pass auf, was ich dir sage.

Dort auf dem langen Acker will ich unseren Wettlauf machen.

Der Hase läuft in einer Furche, und ich in der anderen,

und dort oben fangen wir an.

Du hast nun nichts weiter zu tun,

als dass du dich hier unten in die Furche stellst,

und wenn der Hase in seiner Furche daherkommt,

so rufst du ihm entgegen: »Ich bin schon da!«


So kamen sie zu dem Acker,

der Igel wies seiner Frau ihren Platz an

und ging den Acker hinauf.

Als er oben ankam, war der Hase schon da.

»Kann es losgehen?« fragte er.

»Jawohl«, erwiderte der Igel.

»Dann nur zu.«

Damit stellte sich jeder in seine Furche.

Der Hase zählte: »Eins, zwei, drei«,

und los ging er wie ein Sturmwind den Acker hinunter.

Der Igel aber lief nur etwa drei Schritte,

dann duckte er sich in die Furche hinein und blieb ruhig sitzen.

Und als der Hase im vollen Lauf am Ziel unten am Acker ankam,

rief ihm die Frau des Igels entgegen: »Ich bin schon da!«


Der Hase war nicht wenig erstaunt,

glaubte er doch nichts anderes,

als dass er den Igel selbst vor sich hatte.

Bekanntlich sieht die Frau Igel genauso aus wie ihr Mann.

»Das geht nicht mit rechten Dingen zu«, rief er.

»Noch einmal gelaufen, in die andere Richtung!«

Und fort ging es wieder wie der Sturmwind,

dass ihm die Ohren am Kopf flogen.

Die Frau des Igels aber blieb ruhig an ihrem Platz sitzen,

und als der Hase oben ankam,

rief ihm der Herr Igel entgegen: »Ich bin schon da!«

Der Hase war ganz außer sich vor Ärger und schrie:

»Noch einmal gelaufen, noch einmal herum!«

»Meinetwegen«, gab der Igel zurück.

»Sooft du Lust hast.«


So lief der Hase dreiundsiebzigmal, und der Igel hielt immer mit.

Und jedes Mal, wenn der Hase oben oder unten am Ziel ankam,

sagten der Igel oder seine Frau: »Ich bin schon da.«

Beim vierundsiebzigsten Male aber kam der Hase nicht mehr ans Ziel.

Mitten auf dem Acker fiel er zu Boden,

das Blut floss ihm aus der Nase, und er blieb tot liegen.

Der Igel aber nahm seinen gewonnenen Golddukaten und die Flasche Branntwein,

rief seine Frau von ihrem Platz am Ende der Furche,

und vergnügt gingen beide nach Hause.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.


So geschah es,

dass auf der Buxtehuder Heide

der Igel den Hasen zu Tode gelaufen hatte,

und seit jener Zeit hat kein Hase mehr gewagt,

mit dem Buxtehuder Igel um die Wette zu laufen.


Die Lehre aus dieser Geschichte aber ist erstens,

dass sich keiner, und wenn er sich auch noch so vornehm dünkt,

einfallen lassen soll,

sich über einen kleinen Mann lustig zu machen,

und wäre es auch nur ein Igel.

Und zweitens, dass es gut ist, wenn einer heiratet,

dass er sich eine Frau von seinem Stand nimmt,

die geradeso aussieht wie er.

Wer also ein Igel ist, der muss darauf sehen,

dass auch seine Frau ein Igel ist.

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Название документа 6. Золотой гусь.doc

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Die goldene Gans

Es war ein Mann, der hatte drei Söhne, davon hiess der jüngste der Dummling und wurde verachtet und verspottet und bei jeder Gelegenheit zurückgesetzt. Es geschah, dass der älteste in den Wald gehen wollte, Holz hauen, und eh' er ging, gab ihm noch seine Mutter einen schönen feinen Eierkuchen und eine Flasche Wein mit, damit er nicht Hunger und Durst litte. Als er in den Wald kam, begegnete ihm ein altes, graues Männlein, das bot ihm einen guten Tag und sprach: "Gib mir doch ein Stück Kuchen aus deiner Tasche und lass mich einen Schluck von deinem Wein trinken! Ich bin so hungrig und durstig." Der kluge Sohn aber antwortete: "Geb ich dir meinen Kuchen und meinen Wein, so hab ich selber nichts, pack dich deiner Wege!" liess das Männlein stehen und ging fort. Als er nun anfing, einen Baum zu behauen, dauerte es nicht lange, so hieb er fehl, und die Axt fuhr ihm in den Arm, dass er musste heimgehen und sich verbinden lassen. Das war aber von dem grauen Männchen gekommen.

Darauf ging der zweite Sohn in den Wald, und die Mutter gab ihm, wie dem ältesten, einen Eierkuchen und eine Flasche Wein. Dem begegnete gleichfalls das alte, graue Männchen und hielt um ein Stückchen Kuchen und einen Trunk Wein an. Aber der zweite Sohn sprach auch ganz verständig: "Was ich dir gebe, das geht mir selber ab, pack dich deiner Wege!" liess das Männlein stehen und ging fort. Die Strafe blieb nicht aus, als er ein paar Hiebe am Baum getan, hieb er sich ins Bein, dass er musste nach Haus getragen werden.

Da sagte der Dummling: "Vater, lass mich einmal hinausgehen und Holz hauen!" Antwortete der Vater: "Deine Brüder haben sich Schaden dabei getan, lass dich davon, du verstehst nichts davon." Der Dummling aber bat so lange, bis er endlich sagte: "Geh nur hin, durch Schaden wirst du klug werden." Die Mutter gab ihm einen Kuchen, der war mit Wasser in der Asche gebacken, und dazu eine Flasche saures Bier. Als er in den Wald kam, begegnete ihm gleichfalls das alte, graue Männchen, grüsste ihn und sprach: "Gib mir ein Stück von deinem Kuchen und einen Trunk aus deiner Flasche, ich bin so hungrig und durstig." Antwortet der Dummling: " Ich habe nur Aschenkuchen und saures Bier, wenn dir das recht ist, so wollen wir uns setzen und essen." Da setzten sie sich, und als der Dummling seinen Aschenkuchen herausholte, so war's ein feiner Eierkuchen, und das saure Bier war ein guter Wein. Nun assen und tranken sie, und danach sprach das Männlein: "Weil du ein gutes Herz hast und von dem deinigen gerne mitteilst, so will ich dir Glück bescheren. Dort steht ein alter Baum, den hau ab, so wirst du in den Wurzeln etwas finden." Darauf nahm das Männlein Abschied.

Der Dummling ging hin und hieb den Baum um, und wie er fiel, sass in den Wurzeln eine Gans, die hatte Federn von reinem Gold. Er hob sie heraus, nahm sie mit sich und ging in ein Wirtshaus, da wollte er übernachten. Der Wirt hatte aber drei Töchter, die sahen die Gans, waren neugierig, was das für ein wunderlicher Vogel wäre, und hätten gar gern eine von seinen goldenen Federn gehabt. Die älteste dachte: Es wird sich schon eine Gelegenheit finden, wo ich mir eine Feder ausziehen kann. Und als der Dummling einmal hinaus gegangen war, fasste sie die Gans beim Flügel aber Finger und Hand blieben ihr daran fest hängen. Bald hernach kam die zweite und hatte keinen andern Gedanken, als sich eine goldene Feder zu holen, kaum aber hatte sie ihre Schwester angerührt, so blieb sie fest hängen. Endlich kam auch die dritte in der gleichen Absicht. Da schrien die andern: "Bleib weg, um Himmels Willen bleib weg!" Aber sie begriff nicht, warum sie wegbleiben sollte, dachte: Sind die dabei so kann ich auch dabeisein und sprang hinzu, und wie sie ihre Schwester angerührt hatte, so blieb sie an ihr hängen. So mussten sie die Nacht bei der Ganz zubringen.

Am anderen Morgen nahm der Dummling die Gans in den Arm ging fort und kümmerte sich nicht um die drei Mädchen, die daran hingen. Sie mussten immer hinter im dreinlaufen, links und rechts, wie's ihm in die Beine kam. Mitten auf dem Felde begegnete ihnen der Pfarrer, und als er den Aufzug sah, sprach er: "Schämt euch, ihr garstigen Mädchen, was lauft ihr dem jungen Bursch durchs Feld nach, schickt sich das?" Damit fasste er die jüngste an der Hand und wollte sie zurückziehen, wie er sie aber anrührte, blieb er gleichfalls hängen und musste selber hinterdreinlaufen. Nicht lange, so kam der Küster daher und sah den Herrn Pfarrer, der drei Mädchen auf dem Fuss folgte. Da verwunderte er sich und rief: "Ei, Herr Pfarrer, wohinaus so geschwind? vergesst nicht, dass wir heute noch eine Kindtaufe haben." Lief auf ihn zu und fasste ihn am Ärmel, blieb aber auch fest hängen. Wie die fünf so hintereinander hertrabten, kamen zwei Bauern mit ihren Hacken vom Felde. Da rief der Pfarrer sie an und bat, sie möchten ihn und den Küster losmachen. Kaum aber hatten sie den Küster angerührt, so blieben sie hängen, und waren ihrer nun siebene, die dem Dummling mit der Gans nachliefen.

Er kam darauf in eine Stadt; da herrschte ein König, der hatte eine Tochter, die war so ernsthaft, dass sie niemand zum Lachen bringen konnte. Darum hatte er ein Gesetz gegeben, wer sie könnte zum Lachen bringen, der sollte sie heiraten. Der Dummling, als er das hörte, ging mit seiner Gans und ihrem Anhang vor die Königstochter, und als diese die sieben Menschen immer hintereinander herlaufen sah, fing sie überlaut an zu lachen und wollte gar nicht wieder aufhören.

Da verlangte sie der Dummling zur Braut, aber dem König gefiel der Schwiegersohn nicht, er machte allerlei Einwendungen und sagte, er müsste ihm erst einen Mann bringen, der einen Keller voll Wein austrinken könne. Der Dummling dachte an das graue Männchen, das könnte ihm wohl helfen, ging hinaus in den Wald, und auf der Stelle, wo er den Baum abgehauen hatte, sah er einen Mann sitzen, der machte ein ganz betrübtes Gesicht. Der Dummling fragte, was er sich so sehr zu Herzen nähme. Da antwortete er: "Ich habe so grossen Durst und kann ihn nicht löschen, das kalte Wasser vertrage ich nicht, ein Fass Wein habe ich zwar ausgeleert, aber was ist ein Tropfen auf einen heissen Stein?" - "Da kann ich dir helfen," sagte der Dummling, "komm nur mit mir, du sollst satt haben!" Er führte ihn darauf in des Königs Keller, und der Mann machte sich über die grossen Fässer, trank und trank, dass ihm die Hüften weh taten, und ehe ein Tag herum war, hatte er den ganzen Keller ausgetrunken.

Der Dummling verlangte abermals seine Braut, der König aber ärgerte sich, dass ein schlechter Bursch, den jedermann einen Dummling nannte, seine Tochter davontragen sollte, und machte neue Bedingungen: Er müsste erst einen Mann schaffen, der einen Berg voll Brot aufessen könnte. Der Dummling besann sich nicht lange, sondern ging gleich hinaus in den Wald. Da sass auf demselben Platz ein Mann, der schnürte sich den Leib mit einem Riemen zusammen, machte ein grämliches Gesicht und sagte: "Ich habe einen ganzen Backofen voll Raspelbrot gegessen, aber was hilft das, wenn man so grossen Hunger hat wie ich. Mein Magen bleibt leer, und ich muss ihn zuschnüren, wenn ich nicht Hungers sterben soll." Der Dummling war froh darüber und sprach: "Mach dich auf und geh mit mir, du sollst dich satt essen!" Er führte ihn an den Hof des Königs, der hatte alles Mehl aus dem ganzen Reich zusammenfahren und einen ungeheuren Berg davon bauen lassen; der Mann aber aus dem Walde stellte sich davor, fing an zu essen, und in einem Tag war der ganze Berg verschwunden. Der Dummling forderte zum drittenmal seine Braut. Der König aber suchte noch einmal Ausflucht und verlangte ein Schiff, das zu Land und zu Wasser fahren könnt. "Sowie du aber damit angesegelt kommst," sagte er, "sollst du gleich meine Tochter zur Gemahlin haben." Der Dummling ging geraden Weges in den Wald, da sass das alte, graue Männchen, dem er seinen Kuchen gegeben hatte, und sagte: "Ich habe für dich getrunken und gegessen, ich will dir auch das Schiff geben; das alles tu ich, weil du barmherzig gegen mich gewesen bist" Da gab er ihm das Schiff, das zu Land und zu Wasser fuhr, und als der König das sah, konnte er ihm seine Tochter nicht länger vorenthalten.

Die Hochzeit ward gefeiert; nach des Königs Tod erbte der Dummling das Reich und lebte lange Zeit vergnügt mit seiner Gemahlin.

Название документа 7. Храбрый портняжка.doc

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Das tapfere Schneiderlein

An einem Sommermorgen sass ein Schneiderlein auf seinem Tisch am Fenster, war guter Dinge und nähte aus Leibeskräften. Da kam eine Bauersfrau die Strasse herab und rief: "Gut Mus feil! Gut Mus feil!" Das klang dem Schneiderlein lieblich in die Ohren, er steckte sein zartes Haupt zum Fenster hinaus und rief: "Hier herauf, liebe Frau, hier wird sie ihre Ware los."

Die Frau stieg die drei Treppen mit ihrem schweren Korbe zu dem Schneider herauf und musste die Töpfe sämtlich vor ihm auspacken. Er besah sie alle, hob sie in die Höhe, hielt die Nase dran und sagte endlich: "Das Mus scheint mir gut, wieg sie mir doch vier Lot ab, liebe Frau, wenn's auch ein Viertelpfund ist, kommt es mir nicht darauf an." Die Frau, welche gehofft hatte, einen guten Absatz zu finden, gab ihm, was er verlangte, ging aber ganz ärgerlich und brummig fort. "Nun, das Mus soll mir Gott gesegnen," rief das Schneiderlein, "und soll mir Kraft und Stärke geben," holte das Brot aus dem Schrank, schnitt sich ein Stück über den ganzen Laib und strich das Mus darüber. "Das wird nicht bitter schmecken," sprach er, "aber erst will ich den Wams fertig machen, eh ich anbeisse." Er legte das Brot neben sich, nähte weiter und machte vor Freude immer grössere Stiche.

Indes stieg der Geruch von dem süssen Mus hinauf an die Wand, wo die Fliegen in grosser Menge sassen, so dass sie herangelockt wurden und sich scharenweis darauf niederliessen. "Ei, wer hat euch eingeladen?" sprach das Schneiderlein und jagte die ungebetenen Gäste fort. Die Fliegen aber, die kein Deutsch verstanden, liessen sich nicht abweisen, sondern kamen in immer grösserer Gesellschaft wieder. Da lief dem Schneiderlein endlich, wie man sagt, die Laus über die Leber, es langte aus seiner Hölle nach einem Tuchlappen, und "wart, ich will es euch geben!" schlug es unbarmherzig drauf. Als es abzog und zählte, so lagen nicht weniger als sieben vor ihm tot und streckten die Beine. "Bist du so ein Kerl?" sprach er und musste selbst seine Tapferkeit bewundern, "das soll die ganze Stadt erfahren." Und in der Hast schnitt sich das Schneiderlein einen Gürtel, nähte ihn und stickte mit grossen Buchstaben darauf "siebene auf einen Streich!"

"Ei was Stadt!" sprach er weiter, "die ganze Welt soll's erfahren! Und sein Herz wackelte ihm vor Freude wie ein Lämmerschwänzchen. Der Schneider band sich den Gürtel um den Leib und wollte in die Welt hinaus, weil er meinte, die Werkstätte sei zu klein für seine Tapferkeit. Eh er abzog, suchte er im Haus herum, ob nichts da wäre, was er mitnehmen könnte, er fand aber nichts als einen alten Käs, den steckte er ein. Vor dem Tore bemerkte er einen Vogel, der sich im Gesträuch gefangen hatte, der musste zu dem Käse in die Tasche. Nun nahm er den Weg tapfer zwischen die Beine, und weil er leicht und behend war, fühlte er keine Müdigkeit.

Der Weg führte ihn auf einen Berg, und als er den höchsten Gipfel erreicht hatte, so sass da ein gewaltiger Riese und schaute sich ganz gemächlich um. Das Schneiderlein ging beherzt auf ihn zu, redete ihn an und sprach: "Guten Tag, Kamerad, gelt, du sitzest da und besiehst dir die weitläufige Welt? Ich bin eben auf dem Wege dahin und will mich versuchen. Hast du Lust mitzugehen?"

Der Riese sah den Schneider verächtlich an und sprach: "Du Lump! du miserabler Kerl!" - "Das wäre!" antwortete das Schneiderlein, knöpfte den Rock auf und zeigte dem Riesen den Gürtel, "da kannst du lesen, was ich für ein Mann bin." Der Riese las: "Siebene auf einen Streich," meinte, das wären Menschen gewesen, die der Schneider erschlagen hätte, und kriegte ein wenig Respekt vor dem kleinen Kerl. Doch wollte er ihn erst prüfen, nahm einen Stein in die Hand, und drückte ihn zusammen, dass das Wasser heraustropfte. "Das mach mir nach," sprach der Riese, "wenn du Stärke hast."

"Ist's weiter nichts?" sagte das Schneiderlein, "das ist bei unsereinem Spielwerk," griff in die Tasche, holte den weichen Käs und drückte ihn, dass der Saft herauslief. "Gelt," sprach er, "das war ein wenig besser?"

Der Riese wusste nicht, was er sagen sollte, und konnte es von dem Männlein nicht glauben. Da hob der Riese einen Stein auf und warf ihn so hoch, dass man ihn mit Augen kaum noch sehen konnte: "Nun, du Erpelmännchen, das tu mir nach."

"Gut geworfen," sagte der Schneider, "aber der Stein hat doch wieder zur Erde herabfallen müssen, ich will dir einen werfen, der soll gar nicht wiederkommen"; griff in die Tasche, nahm den Vogel und warf ihn in die Luft. Der Vogel, froh über seine Freiheit, stieg auf, flog fort und kam nicht wieder. "Wie gefällt dir das Stückchen, Kamerad?" fragte der Schneider. "Werfen kannst du wohl," sagte der Riese, "aber nun wollen wir sehen, ob du imstande bist, etwas Ordentliches zu tragen." Er führte das Schneiderlein zu einem mächtigen Eichbaum, der da gefällt auf dem Boden lag, und sagte "wenn du stark genug bist, so hilf mir den Baum aus dem Walde heraustragen."

"Gerne," antwortete der kleine Mann, "nimm du nur den Stamm auf deine Schulter, ich will die äste mit dem Gezweig aufheben und tragen, das ist doch das Schwerste." Der Riese nahm den Stamm auf die Schulter, der Schneider aber setzte sich auf einen Ast, und der Riese, der sich nicht umsehen konnte, musste den ganzen Baum und das Schneiderlein noch obendrein forttragen. Es war da hinten ganz lustig und guter Dinge, pfiff das Liedchen "es ritten drei Schneider zum Tore hinaus," als wär das Baumtragen ein Kinderspiel. Der Riese, nachdem er ein Stück Wegs die schwere Last fortgeschleppt hatte, konnte nicht weiter und rief: "Hör, ich muss den Baum fallen lassen."

Der Schneider sprang behendiglich herab, fasste den Baum mit beiden Armen, als wenn er ihn getragen hätte, und sprach zum Riesen: "Du bist ein so grosser Kerl und kannst den Baum nicht einmal tragen."

Sie gingen zusammen weiter, und als sie an einem Kirschbaum vorbeigingen, fasste der Riese die Krone des Baums, wo die zeitigsten Früchte hingen, bog sie herab, gab sie dem Schneider in die Hand und hiess ihn essen. Das Schneiderlein aber war viel zu schwach, um den Baum zu halten, und als der Riese losliess, fuhr der Baum in die Höhe, und der Schneider ward mit in die Luft geschnellt. Als er wieder ohne Schaden herabgefallen war, sprach der Riese: "Was ist das, hast du nicht Kraft, die schwache Gerte zu halten?"

"An der Kraft fehlt es nicht," antwortete das Schneiderlein, "meinst du, das wäre etwas für einen, der siebene mit einem Streich getroffen hat? Ich bin über den Baum gesprungen, weil die Jäger da unten in das Gebüsch schiessen. Spring nach, wenn dus vermagst." Der Riese machte den Versuch, konnte aber nicht über den Baum kommen, sondern blieb in den ästen hängen, also dass das Schneiderlein auch hier die Oberhand behielt.

Der Riese sprach: "Wenn du ein so tapferer Kerl bist, so komm mit in unsere Höhle und übernachte bei uns." Das Schneiderlein war bereit und folgte ihm. Als sie in der Höhle anlangten, sassen da noch andere Riesen beim Feuer, und jeder hatte ein gebratenes Schaf in der Hand und ass davon. Das Schneiderlein sah sich um und dachte: "Es ist doch hier viel weitläufiger als in meiner Werkstatt." Der Riese wies ihm ein Bett an und sagte, er sollte sich hineinlegen und ausschlafen. Dem Schneiderlein war aber das Bett zu gross, er legte sich nicht hinein, sondern kroch in eine Ecke.

Als es Mitternacht war und der Riese meinte, das Schneiderlein läge in tiefem Schlafe, so stand er auf, nahm eine grosse Eisenstange und schlug das Bett mit einem Schlag durch, und meinte, er hätte dem Grashüpfer den Garaus gemacht.

Mit dem frühsten Morgen gingen die Riesen in den Wald und hatten das Schneiderlein ganz vergessen, da kam es auf einmal ganz lustig und verwegen dahergeschritten. Die Riesen erschraken, fürchteten, es schlüge sie alle tot, und liefen in einer Hast fort.

Das Schneiderlein zog weiter, immer seiner spitzen Nase nach. Nachdem es lange gewandert war, kam es in den Hof eines königlichen Palastes, und da es Müdigkeit empfand, so legte es sich ins Gras und schlief ein. Während es da lag, kamen die Leute, betrachteten es von allen Seiten und lasen auf dem Gürtel: "Siebene auf einen Streich." - "Ach," sprachen sie, "was will der grosse Kriegsheld hier mitten im Frieden? Das muss ein mächtiger Herr sein." Sie gingen und meldeten es dem König, und meinten, wenn Krieg ausbrechen sollte, wäre das ein wichtiger und nützlicher Mann, den man um keinen Preis fortlassen dürfte.

Dem König gefiel der Rat, und er schickte einen von seinen Hofleuten an das Schneiderlein ab, der sollte ihm, wenn es aufgewacht wäre, Kriegsdienste anbieten. Der Abgesandte blieb bei dem Schläfer stehen, wartete, bis er seine Glieder streckte und die Augen aufschlug, und brachte dann seinen Antrag vor. "Eben deshalb bin ich hierher gekommen," antwortete er, "ich bin bereit, in des Königs Dienste zu treten." Also ward er ehrenvoll empfangen und ihm eine besondere Wohnung angewiesen. Die Kriegsleute aber waren dem Schneiderlein aufgesessen und wünschten, es wäre tausend Meilen weit weg. "Was soll daraus werden?" sprachen sie untereinander, "wenn wir Zank mit ihm kriegen und er haut zu, so fallen auf jeden Streich siebene. Da kann unsereiner nicht bestehen." Also fassten sie einen Entschluss, begaben sich allesamt zum König und baten um ihren Abschied. "Wir sind nicht gemacht," sprachen sie, "neben einem Mann auszuhalten, der siebene auf einen Streich schlägt." Der König war traurig, dass er um des einen willen alle seine treuen Diener verlieren sollte, wünschte, dass seine Augen ihn nie gesehen hätten, und wäre ihn gerne wieder los gewesen. Aber er getrauete sich nicht, ihm den Abschied zu geben, weil er fürchtete, er möchte ihn samt seinem Volke totschlagen und sich auf den königlichen Thron setzen.

Er sann lange hin und her, endlich fand er einen Rat. Er schickte zu dem Schneiderlein und liess ihm sagen, weil er ein so grosser Kriegsheld wäre, so wollte er ihm ein Anerbieten machen. In einem Walde seines Landes hausten zwei Riesen, die mit Rauben, Morden, Sengen und Brennen grossen Schaden stifteten, niemand dürfte sich ihnen nahen, ohne sich in Lebensgefahr zu setzen. Wenn er diese beiden Riesen überwände und tötete, so wollte er ihm seine einzige Tochter zur Gemahlin geben und das halbe Königreich zur Ehesteuer; auch sollten hundert Reiter mitziehen und ihm Beistand leisten. "Das wäre so etwas für einen Mann, wie du bist," dachte das Schneiderlein, "eine schöne Königstochter und ein halbes Königreich wird einem nicht alle Tage angeboten."

"O ja," gab er zur Antwort, "die Riesen will ich schon bändigen, und habe die hundert Reiter dabei nicht nötig: wer siebene auf einen Streich trifft, braucht sich vor zweien nicht zu fürchten."

Das Schneiderlein zog aus, und die hundert Reiter folgten ihm. Als er zu dem Rand des Waldes kam, sprach er zu seinen Begleitern: "Bleibt hier nur halten, ich will schon allein mit den Riesen fertig werden." Dann sprang er in den Wald hinein und schaute sich rechts und links um. über ein Weilchen erblickte er beide Riesen: sie lagen unter einem Baume und schliefen und schnarchten dabei, dass sich die äste auf- und niederbogen. Das Schneiderlein, nicht faul, las beide Taschen voll Steine und stieg damit auf den Baum. Als es in der Mitte war, rutschte es auf einen Ast, bis es gerade über die Schläfer zu sitzen kam, und liess dem einen Riesen einen Stein nach dem andern auf die Brust fallen. Der Riese spürte lange nichts, doch endlich wachte er auf, stiess seinen Gesellen an und sprach: "Was schlägst du mich?"

"Du träumst," sagte der andere, "ich schlage dich nicht." Sie legten sich wieder zum Schlaf, da warf der Schneider auf den zweiten einen Stein herab. "Was soll das?" rief der andere, "warum wirfst du mich?"

"Ich werfe dich nicht," antwortete der erste und brummte. Sie zankten sich eine Weile herum, doch weil sie müde waren, liessen sies gut sein, und die Augen fielen ihnen wieder zu. Das Schneiderlein fing sein Spiel von neuem an, suchte den dicksten Stein aus und warf ihn dem ersten Riesen mit aller Gewalt auf die Brust. "Das ist zu arg!" schrie er, sprang wie ein Unsinniger auf und stiess seinen Gesellen wider den Baum, dass dieser zitterte. Der andere zahlte mit gleicher Münze, und sie gerieten in solche Wut, dass sie Bäume ausrissen, aufeinander losschlugen, so lang, bis sie endlich beide zugleich tot auf die Erde fielen. Nun sprang das Schneiderlein herab. "Ein Glück nur," sprach es, "dass sie den Baum, auf dem ich sass, nicht ausgerissen haben, sonst hätte ich wie ein Eichhörnchen auf einen andere springen müssen; doch unsereiner ist flüchtig!" Es zog sein Schwert und versetzte jedem ein paar tüchtige Hiebe in die Brust, dann ging es hinaus zu den Reitern und sprach: "Die Arbeit ist getan, ich habe beiden den Garaus gemacht; aber hart ist es hergegangen, sie haben in der Not Bäume ausgerissen und sich gewehrt, doch das hilft alles nichts, wenn einer kommt wie ich, der siebene auf einen Streich schlägt."

"Seid Ihr denn nicht verwundet?" fragten die Reiter. "Das hat gute Wege," antwortete der Schneider, "kein Haar haben sie mir gekrümmt." Die Reiter wollten ihm keinen Glauben beimessen und ritten in den Wald hinein; da fanden sie die Riesen in ihrem Blute schwimmend, und ringsherum lagen die ausgerissenen Bäume. Das Schneiderlein verlangte von dem König die versprochene Belohnung, den aber reute sein Versprechen und er sann aufs neue, wie er sich den Helden vom Halse schaffen könnte. "Ehe du meine Tochter und das halbe Reich erhältst," sprach er zu ihm, "musst du noch eine Heldentat vollbringen. In dem Walde läuft ein Einhorn, das grossen Schaden anrichtet, das musst du erst einfangen."

"Vor einem Einhorne fürchte ich mich noch weniger als vor zwei Riesen; siebene auf einen Streich, das ist meine Sache." Er nahm sich einen Strick und eine Axt mit, ging hinaus in den Wald, und hiess abermals die, welche ihm zugeordnet waren, aussen warten.

Er bauchte nicht lange zu suchen, das Einhorn kam bald daher und sprang geradezu auf den Schneider los, als wollte es ihn ohne Umstände aufspiessen. "Sachte, sachte," sprach er, "so geschwind geht das nicht," blieb stehen und wartete, bis das Tier ganz nahe war, dann sprang er behendiglich hinter den Baum. Das Einhorn rannte mit aller Kraft gegen den Baum und spiesste sein Horn so fest in den Stamm, dass es nicht Kraft genug hatte, es wieder herauszuziehen, und so war es gefangen. "Jetzt hab ich das Vöglein," sagte der Schneider, kam hinter dem Baum hervor, legte dem Einhorn den Strick erst um den Hals, dann hieb er mit der Axt das Horn aus dem Baum, und als alles in Ordnung war, führte er das Tier ab und brachte es dem König.

Der König wollte ihm den verheissenen Lohn noch nicht gewähren und machte eine dritte Forderung. Der Schneider sollte ihm vor der Hochzeit erst ein Wildschwein fangen, das in dem Wald grossen Schaden tat; die Jäger sollten ihm Beistand leisten. "Gerne," sprach der Schneider, "das ist ein Kinderspiel." Die Jäger nahm er nicht mit in den Wald, und sie warens wohl zufrieden, denn das Wildschwein hatte sie schon mehrmals so empfangen, dass sie keine Lust hatten, ihm nachzustellen.

Als das Schwein den Schneider erblickte, lief es mit schäumendem Munde und wetzenden Zähnen auf ihn zu und wollte ihn zur Erde werfen; der flüchtige Held aber sprang in eine Kapelle, die in der Nähe war, und gleich oben zum Fenster in einem Satze wieder hinaus. Das Schwein war hinter ihm hergelaufen, er aber hüpfte aussen herum und schlug die Türe hinter ihm zu; da war das wütende Tier gefangen, das viel zu schwer und unbehilflich war, um zu dem Fenster hinauszuspringen. Das Schneiderlein rief die Jäger herbei, die mussten den Gefangenen mit eigenen Augen sehen; der Held aber begab sich zum Könige, der nun, er mochte wollen oder nicht, sein Versprechen halten musste und ihm seine Tochter und das halbe Königreich übergab. Hätte er gewusst, dass kein Kriegsheld, sondern ein Schneiderlein vor ihm stand, es wäre ihm noch mehr zu Herzen gegangen. Die Hochzeit ward also mit grosser Pracht und kleiner Freude gehalten, und aus einem Schneider ein König gemacht.

Nach einiger Zeit hörte die junge Königin in der Nacht, wie ihr Gemahl im Traume sprach: "Junge, mach mir den Wams und flick mir die Hosen, oder ich will dir die Elle über die Ohren schlagen." Da merkte sie, in welcher Gasse der junge Herr geboren war, klagte am andern Morgen ihrem Vater ihr Leid und bat, er möchte ihr von dem Manne helfen, der nichts anders als ein Schneider wäre. Der König sprach ihr Trost zu und sagte: "Lass in der nächsten Nacht deine Schlafkammer offen, meine Diener sollen aussen stehen und, wenn er eingeschlafen ist, hineingehen, ihn binden und auf ein Schiff tragen, das ihn in die weite Welt führt." Die Frau war damit zufrieden, des Königs Waffenträger aber, der alles mit angehört hatte, war dem jungen Herrn gewogen und hinterbrachte ihm den ganzen Anschlag. "Dem Ding will ich einen Riegel vorschieben," sagte das Schneiderlein.

Abends legte es sich zu gewöhnlicher Zeit mit seiner Frau zu Bett; als sie glaubte, er sei eingeschlafen, stand sie auf, öffnete die Tür und legte sich wieder. Das Schneiderlein, das sich nur stellte, als wenn es schlief, fing an mit heller Stimme zu rufen: "Junge, mach den Wams und flick mir die Hosen, oder ich will dir die Elle über die Ohren schlagen! Ich habe siebene mit einem Streiche getroffen, zwei Riesen getötet, ein Einhorn fortgeführt und ein Wildschwein gefangen, und sollte mich vor denen fürchten, die draussen vor der Kammer stehen!" Als diese den Schneider sprechen hörten, überkam sie eine grosse Furcht, sie liefen, als wenn das wilde Heer hinter ihnen wäre, und keiner wollte sich mehr an ihn wagen. Also war und blieb das Schneiderlein sein Lebtag König.



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Dornröschen


Vorzeiten war ein König und eine Königin,

die sprachen jeden Tag:

»Ach, wenn wir doch ein Kind hätten!«,

und kriegten immer keins.

Da trug es sich zu, als die Königin einmal im Bade saß,

dass ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach:

»Dein Wunsch wird erfüllt werden, ehe ein Jahr vergeht,

du wirst eine Tochter zur Welt bringen.«

Was der Frosch gesagt hatte, das geschah,

und die Königin gebar ein Mädchen,

das war so schön,

dass der König vor Freude hupfte und ein großes Fest anstellte.

Er lud nicht bloß seine Verwandten, Freunde und Bekannten,

sondern auch die weisen Frauen dazu ein,

damit sie dem Kind hold und gewogen wären.

Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche,

weil er aber nur zwölf goldene Teller hatte,

von welchen sie essen sollten,

so musste eine von ihnen zuhause bleiben.

Das Fest wurde mit aller Pracht gefeiert,

und als es zu Ende war,

beschenken die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben:

die eine mit Tugend, die andere mit Schönheit, die dritte mit Reichtum,

und so mit allem, was auf der Welt zu wünschen ist.

Als elf ihre Sprüche eben getan hatten,

trat plötzlich die dreizehnte herein.

Sie wollte sich dafür rächen, dass sie nicht eingeladen war,

und ohne jemanden zu grüßen oder nur anzusehen,

rief sie mit lauter Stimme:

»Die Königstochter soll sich in ihrem fünfzehnten Jahr

an einer Spindel stechen und tot hinfallen.«

Und ohne ein Wort zu sprechen,

kehrte sie sich um und verließ den Saal.

Alle waren erschrocken,

da trat die zwölfte hervor,

die ihren Wunsch noch übrig hatte,

und weil sie den bösen Spruch nicht aufheben,

sondern nur ihn mildern konnte,

so sagte sie:

»Es soll aber kein Tod sein,

sondern ein hundertjähriger tiefer Schlaf,

in welchen die Königstochter fällt.«


Der König, der sein liebes Kind vor dem Unglück gern bewahren wollte,

ließ den Befehl ausgehen,

dass alle Spindeln in dem Königreich verbrannt werden sollten.

An dem Mädchen aber wurden die Gaben der weisen Frauen sämtlich erfüllt,

denn es war so schön, sittsam, freundlich und verständig,

dass es jedermann, der es ansah, lieb haben musste.

Es geschah, dass an dem Tage, an dem es gerade fünfzehn Jahre alt wurde,

der König und die Königin nicht zu Hause waren

und das Mädchen ganz allein im Schloss zurückblieb.

Da ging es überall herum,

besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte,

und kam endlich auch an einen alten Turm.

Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf

und gelangte zu einer kleinen Türe.

In dem Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel,

und als es ihn umdrehte, sprang die Tür auf.

Da saß in einem kleinen Stübchen eine alte Frau mit einer Spindel

und spann emsig ihren Flachs.

»Guten Tag, du altes Mütterchen«, sprach die Königstochter,

»was machst du da?«

»Ich spinne«, sagte die Alte und nickte mit dem Kopf.

»Was ist das für ein Ding, das so lustig herumspringt?«

sprach das Mädchen,

nahm die Spindel und wollte auch spinnen.

Kaum hatte sie aber die Spindel angerührt,

so ging der Zauberspruch in Erfüllung,

und sie stach sich damit in den Finger.


In diesem Augenblick fiel sie auf das Bett nieder, das da stand,

und lag in einem tiefen Schlaf.

Und dieser Schlaf verbreitete sich über das ganze Schloss:

der König und die Königin,

die eben heimgekommen und in den Saal getreten waren,

fingen an einzuschlafen,

und der ganze Hofstaat mit ihnen.

Da schliefen auch die Pferde im Stall,

die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand,

ja, das Feuer, das auf dem Herd flackerte, ward still und schlief ein,

und der Braten hörte auf zu brutzeln,

und der Koch,

der den Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte,

an den Haaren ziehen wollte,

ließ ihn los und schlief.

Und der Wind legte sich,

und auf den Bäumen vor dem Schloss regte sich kein Blättchen mehr.


Rings um das Schloss aber begann eine Dornenhecke zu wachsen,

die jedes Jahr höher wurde

und endlich das ganze Schloss umzog und darüber hinaus wuchs,

dass gar nichts mehr davon

zu sehen war,

selbst nicht die Fahne auf dem Dach.

Es ging aber die Sage in dem Land

von dem schönen schlafenden Dornröschen,

denn so wurde die Königstochter genannt,

so dass von Zeit zu Zeit Königssöhne kamen

und durch die Hecke in das Schloss dringen wollten.

Es war ihnen aber nicht möglich,

denn die Dornen, als hätten sie Hände, hielten fest zusammen,

und die Jünglinge blieben darin hängen.

Nach langen, langen Jahren kam wieder einmal ein Königssohn in das Land

und hörte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke erzählte,

es sollte ein Schloss dahinter stehen,

in welchem eine wunderschöne Königstochter, Dornröschen genannt,

schon seit hundert Jahren schliefe,

und mit ihr schliefe der König und die Königin und der ganze Hofstaat.

Er wusste auch von seinem Großvater,

dass schon viele Königssöhne gekommen wären

und versucht hätten, durch die Dornenhecke zu dringen,

aber sie wären darin hängengeblieben.

Da sprach der Jüngling:

»Ich fürchte mich nicht,

ich will hinaus und das schöne Dornröschen sehen.«

Der gute Alte mochte ihm abraten, wie er wollte,

er hörte nicht auf seine Worte.


Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen,

und der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte.

Als der Königssohn sich der Dornenhecke näherte,

waren es lauter große schöne Blumen,

sie taten sich von selbst auseinander

und ließen ihn unbeschädigt hindurch,

und hinter ihm taten sie sich wieder als eine Hecke zusammen.

Im Schlosshof sah er die Pferde und scheckigen Jagdhunde

liegen und schlafen,

auf dem Dache saßen die Tauben

und hatten das Köpfchen unter den Flügel gesteckt.

Und als er ins Haus kam,

schliefen die Fliegen an der Wand,

der Koch in der Küche hielt noch die Hand,

als wollte er den Jungen anpacken,

und die Magd saß vor dem schwarzen Huhn,

das sollte gerupft werden.

Da ging er weiter

und sah im Saale den ganzen Hofstaat

liegen und schlafen,

und oben bei dem Throne lag der König und die Königin.

Da ging er noch weiter,

und alles war so still, dass einer seinen Atem hören konnte,

und endlich kam er zu dem Turm

und öffnete die Türe zu der kleinen Stube, in der Dornröschen schlief.

Da lag es und war so schön,

dass er die Augen nicht abwenden konnte,

und er bückte sich und gab ihm einen Kuss.

Wie er es mit dem Kuss berührt hatte,

schlug Dornröschen die Augen auf,

erwachte und blickte ihn ganz freundlich an.

Da gingen sie zusammen herab,

und der König erwachte und die Königin und der ganze Hofstaat

und sahen einander mit großen Augen an.

Und die Pferde im Hof standen auf und rüttelten sich;

die Jagdhunde sprangen und wedelten;

die Tauben auf dem Dach zogen das Köpfchen unterm Flügel hervor,

sahen umher und flogen ins Feld;

die Fliegen an den Wänden krochen weiter;

das Feuer in der Küche erhob sich, flackerte und kochte das Essen;

der Braten fing wieder an zu brutzeln;

und der Koch gab dem Jungen eine Ohrfeige, dass er schrie;

und die Magd rupfte das Huhn fertig.

Und da wurde die Hochzeit des Königssohns

mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert,

und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.

3

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Schneewittchen


Es war einmal mitten im Winter,

und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab,

da saß eine Königin an einem Fenster

mit einem Rahmen von schwarzem Ebenholz

und nähte.

Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte,

stach sie sich mit der Nadel in den Finger,

und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee.

Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah,

dachte sie:

»Hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee,

so rot wie Blut

und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.«

Bald darauf bekam sie ein Töchterlein,

das war so weiß wie Schnee,

so rot wie Blut

und so schwarzhaarig wie Ebenholz,

und wurde deshalb Schneewittchen genannt.

Kurz nachdem das Kind geboren war, starb die Königin.


Nach einem Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin.

Es war eine schöne Frau,

aber sie war stolz und übermütig,

und konnte nicht leiden,

dass sie an Schönheit von jemandem übertroffen werden sollte.

Sie hatte einen wunderbaren Spiegel,

wenn sie vor ihn trat und sich darin ansah,

sprach sie:

»Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?«

So antwortete der Spiegel:

»Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.«

Da war sie zufrieden,

denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte.


Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schöner,

und als es sieben Jahre alt war,

war es so schön wie der klare Tag,

und schöner als die Königin selbst.

Als diese einmal ihren Spiegel fragte:

»Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?«,

so antwortete er:

»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.«

Da erschrak die Königin und wurde gelb und grün vor Neid.

Immer, wenn sie nun Schneewittchen erblickte,

drehte sich ihr das Herz im Leibe herum,

so hasste sie das Mädchen.

Und der Neid und Hochmut

wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer höher,

dass sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte.

Da rief sie einen Jäger und sprach:

»Bring das Kind hinaus in den Wald,

ich will’s nicht mehr vor meinen Augen sehen.

Es soll dort verhungern.«

Der Jäger gehorchte und führte es hinaus.


Nun war das arme Kind in dem großen Wald mutterseelenallein,

und es bekam Angst,

so dass es alle Blätter an den Bäumen ansah

und nicht wusste, wie es sich retten sollte.

Da fing es an zu laufen

und lief über die spitzen Steine und durch die Dornen,

und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei,

aber sie taten ihm nichts.

Es lief den ganzen Tag,

bis ihm die Füße weh taten,

da sah es ein kleines Häuschen und ging hinein,

um sich auszuruhen.

In dem Häuschen war alles klein und ganz sauber.

Da stand ein weißgedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern,

jedes Tellerchen mit seinem Löffelchen,

ferner sieben Messerchen und Gäbelchen und sieben Becherlein.

An der Wand waren sieben Bettchen nebeneinander aufgestellt

und schneeweiße Laken darüber gedeckt.

Schneewittchen war sehr hungrig

und aß von jedem Tellerchen ein wenig Gemüse und Brot,

und trank aus jedem Becherchen einen Tropfen Wein;

denn es wollte nicht einem alles wegnehmen.

Danach war es so müde und wollte sich in ein Bettchen legen,

aber keines passte;

das eine war zu lang, das andere zu kurz,

das siebente war endlich recht:

und darin blieb es liegen und schlief ein.


Als es dunkel geworden war,

kamen die Herren von dem Häuslein,

das waren die sieben Zwerge,

die in den Bergen nach Erz hackten und gruben.

Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an,

und wie es nun im Häuslein hell wurde, sahen sie,

dass jemand darin gesessen hatte,

denn es stand nicht alles so ordentlich,

wie sie es verlassen hatten.

Der erste sprach: »Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?«

Der zweite: »Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?«

Der dritte: »Wer hat von meinem Brötchen genommen?«

Der vierte: »Wer hat von meinem Gemüschen gegessen?«

Der fünfte: »Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?«

Der sechste: »Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?«

Der siebente: »Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?«

Dann sah sich der erste um

und sah, dass auf seinem Bett eine kleine Delle war,

da sprach er: »Wer hat in mein Bettchen getreten?«

Die anderen kamen gelaufen und riefen:

»In meinem hat auch jemand gelegen.«

Der siebente aber, als er sein Bett sah, erblickte Schneewittchen,

das darin lag und schlief.

Nun rief er die anderen,

die kamen herbeigelaufen, und schrien vor Verwunderung,

holten ihre sieben Lichtlein und beleuchteten Schneewittchen.

»Ei, du mein Gott! Ei, du mein Gott!« riefen sie.

»Was ist das Kind schön!«

Und hatten so große Freude,

dass sie es nicht aufweckten,

sondern im Bettchen weiter schlafen ließen.

Der siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen,

bei jedem eine Stunde,

da war die Nacht herum.


Als es Morgen wurde, wachte Schneewittchen auf,

und als es die sieben Zwerge sah, erschrak es.

Sie waren aber freundlich und fragten: »Wie heißt du?«

»Ich heiße Schneewittchen«, antwortete es.

»Wie bist du in unser Haus gekommen?« sprachen weiter die Zwerge.

Da erzählte es ihnen,

dass seine Stiefmutter es umbringen lassen wollte,

und da wär es den ganzen Tag gelaufen,

bis es endlich ihr Häuslein gefunden hätte.

Die Zwerge sprachen:

»Willst du unseren Haushalt versehen,

kochen, Betten machen, waschen, nähen und stricken,

und willst du alles ordentlich und sauber halten,

so kannst du bei uns bleiben,

und es soll dir an nichts fehlen.«

»Ja«, sagte Schneewittchen, »von Herzen gern«,

und blieb bei ihnen.

Es hielt ihnen das Haus in Ordnung:

morgens gingen die Zwerge in die Berge und suchten Erz und Gold,

abends kamen sie wieder,

und da musste ihr Essen bereit sein.

Den ganzen Tag über war das Mädchen allein,

da warnten es die guten Zwerglein und sprachen:

»Hüte dich vor deiner Stiefmutter,

sie wird bald wissen, dass du hier bist;

lass ja niemanden herein.«


Die Königin aber dachte, sie wäre nun wieder die erste und Allerschönste,

trat vor ihren Spiegel und sprach:

»Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?«

Da antwortete der Spiegel:

»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber Schneewittchen über den Bergen

bei den sieben Zwergen

ist noch tausendmal schöner als Ihr.«

Da erschrak sie, denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte,

und merkte, dass Schneewittchen noch am Leben war.

Und da überlegte sie aufs neue, wie sie Schneewittchen umbringen wollte;

denn solange sie nicht die Schönste war im ganzen Land,

ließ ihr der Neid keine Ruhe.

Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte,

färbte sie sich das Gesicht und kleidete sich wie eine alte Krämerin,

und war ganz unkenntlich.

In dieser Gestalt ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen,

klopfte an die Tür und rief:

»Schöne Ware feil! Schöne Ware feil!«

Schneewittchen guckte zum Fenster hinaus und rief:

»Guten Tag, liebe Frau, was habt Ihr zu verkaufen?«

»Gute Ware«, antwortete sie, »Schnürriemen von allen Farben«,

und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war.

»Die ehrliche Frau kann ich hereinlassen«, dachte Schneewittchen,

schloss die Tür auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen.

»Kind«, sprach die Alte, »wie du aussiehst!

Komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.«

Schneewittchen hatte keine Angst,

stellte sich vor sie,

und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren;

aber die Alte schnürte geschwind und schnürte so fest,

dass dem Schneewittchen der Atem verging,

und es wie tot hinfiel.

»Nun bist du die Schönste gewesen«, sprach sie und rannte hinaus.


Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Hause.

Wie sie erschraken,

als sie ihr liebes Schneewittchen auf der Erde liegen sahen;

und es sich nicht regte und bewegte, als wäre es tot.

Sie hoben es in die Höhe,

und als sie sahen, dass es zu fest geschnürt war,

schnitten sie den Schnürriemen entzwei:

da fing es an ein wenig zu atmen,

und wurde nach und nach wieder lebendig.

Als die Zwerge hörten, was geschehen war, sprachen sie:

»Die alte Krämerfrau war niemand anderes als die böse Königin:

hüte dich und lass keinen Menschen herein,

wenn wir nicht bei dir sind.«


Das böse Weib aber,

als es nach Haus gekommen war,

ging vor den Spiegel und fragte:

»Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?«

Da antwortete er wie sonst:

»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber Schneewittchen über den Bergen

bei den sieben Zwergen

ist noch tausendmal schöner als Ihr.«

Als sie das hörte, bekam sie einen roten Kopf,

so war sie erschrocken, denn sie sah wohl,

dass Schneewittchen wieder lebendig geworden war.

»Nun aber«, sprach sie,

»will ich mir etwas ausdenken, das dich zugrunde richten soll«,

und mit Hexenkünsten, die sie verstand,

machte sie einen giftigen Kamm.

Dann verkleidete sie sich

und nahm die Gestalt eines anderen alten Weibes an.

So ging sie hin über die sieben Berge zu den sieben Zwergen,

klopfte an die Tür und rief:

»Gute Ware feil! Gute Ware feil!«

Schneewittchen schaute hinaus und sprach:

»Geh nur weiter, ich darf niemanden hereinlassen.«

»Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein«, sprach die Alte,

zog den giftigen Kamm heraus und hielt ihn in die Höhe.

Der gefiel dem Kinde so gut, dass es sich betören ließ,

die Tür öffnete und den Kamm kaufte.

Da sprach die Alte:

»Nun will ich dich einmal ordentlich kämmen.«

Das arme Schneewittchen dachte an nichts,

ließ die Alte gewähren,

aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt,

als das Gift darin wirkte,

und das Mädchen ohnmächtig umfiel.

»Du Ausbund von Schönheit«, sprach das boshafte Weib,

»jetzt ist’s um dich geschehen«,

und ging fort.

Zum Glück aber war es bald Abend,

und die sieben Zwerge kamen nach Hause.

Als sie Schneewittchen wie tot auf der Erde liegen sahen,

hatten sie gleich die Stiefmutter in Verdacht,

suchten nach, und fanden den giftigen Kamm,

und kaum hatten sie ihn herausgezogen,

kam Schneewittchen wieder zu sich

und erzählte, was vorgegangen war.

Da warnten sie es noch einmal,

auf der Hut zu sein und niemandem die Tür zu öffnen.


Die Königin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach:

»Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?«

Da antwortete er wie vorher:

»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber Schneewittchen über den Bergen

bei den sieben Zwergen

ist noch tausendmal schöner als Ihr.«

Als sie den Spiegel so reden hörte,

zitterte und bebte sie vor Zorn.

»Schneewittchen soll sterben«, sagte sie,

»und wenn es mein eigenes Leben kostet.«

Daraufhin ging sie in eine ganz verborgene einsame Kammer,

wo niemand hinkam,

und machte da einen giftigen, giftigen Apfel.

Er sah schön aus, weiß mit roten Backen,

dass jeder, der ihn sah, Lust darauf bekam,

aber wer ein Stückchen davon aß, der musste sterben.

Als der Apfel fertig war,

färbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich in eine Bauersfrau,

und so ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen.

Sie klopfte an,

Schneewittchen streckte den Kopf zum Fenster heraus und sprach:

»Ich darf keinen Menschen einlassen,

die sieben Zwerge haben’s mir verboten.«

»Mir auch recht«, antwortete die Bäuerin,

»meine Äpfel will ich schon los werden.

Da, einen will ich dir schenken.«

»Nein«, sprach Schneewittchen, »ich darf nichts annehmen.«

»Fürchtest du dich vor Gift?« sprach die Alte,

»siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Teile;

die rote Seite iss du, die weiße will ich essen.«

Der Apfel war aber so gemacht,

dass nur die rote Hälfte allein vergiftet war.

Schneewittchen freute sich schon auf den schönen Apfel,

und als es sah, dass die Bäuerin davon aß,

konnte es nicht länger widerstehen,

streckte die Hand aus und nahm die giftige Hälfte.

Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund,

fiel es tot auf die Erde.

Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken,

lachte überlaut und sprach:

»Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz!

Diesmal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.«

Und als sie daheim den Spiegel befragte:

»Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?«,

so antwortete er endlich:

»Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.«

Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe,

so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann.


Als die Zwerge abends nach Hause kamen,

sahen sie Schneewittchen auf der Erde liegen,

sie atmete nicht mehr und war tot.

Sie hoben es auf und suchten,

ob sie etwas Giftiges fänden,

schnürten es auf, kämmten ihm die Haare,

wuschen es mit Wasser und Wein,

aber es half alles nichts;

das liebe Kind war tot und blieb tot.

Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle sieben daneben

und beweinten es,

und weinten drei Tage lang.

Da wollten sie es begraben,

aber es sah noch ganz frisch aus wie ein lebender Mensch,

und hatte noch seine schönen roten Backen.

Sie sprachen: »Das können wir nicht in die schwarze Erde versenken«,

und ließen einen durchsichtigen Sarg von Glas machen,

dass man es von allen Seiten sehen konnte,

legten Schneewittchen hinein,

und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf,

und dass es eine Königstochter wäre.

Dann brachten sie den Sarg hinaus auf den Berg,

und einer von ihnen blieb immer dabei und bewachte es.

Und die Tiere kamen auch und beweinten Schneewittchen,

erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.


Nun lag Schneewittchen lange, lange Zeit in dem Sarg

und sah immer noch aus, als wenn es schliefe,

denn es war noch so weiß wie Schnee,

so rot wie Blut

und so schwarzhaarig wie Ebenholz.

Es geschah aber, dass ein Königssohn in den Wald geriet

und zu dem Zwergenhaus kam, um dort zu übernachten.

Er sah auf dem Berg den Sarg und das schöne Schneewittchen darin,

und las, was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben war.

Da sprach er zu den Zwergen:

»Lasst mir den Sarg,

ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt.«

Aber die Zwerge antworteten:

»Wir geben ihn nicht für alles Gold in der Welt.«

Da sprach er:

»So schenkt ihn mir,

denn ich kann nicht leben, ohne Schneewittchen zu sehen,

ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.«

Wie er so sprach,

empfanden die guten Zwerglein Mitleid mit ihm

und gaben ihm den Sarg.

Der Königssohn ließ ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen.

Da geschah es, dass sie über einen Strauch stolperten.

Durch die Erschütterung fuhr das vergiftete Apfelstückchen,

das Schneewittchen abgebissen hatte,

aus dem Hals.

Und nicht lange, da öffnete es die Augen,

hob den Deckel vom Sarg in die Höhe

und richtete sich auf,

und war wieder lebendig.

»Ach Gott, wo bin ich?« rief es.

Der Königssohn sagte voll Freude: »Du bist bei mir«,

und erzählte, was sich zugetragen hatte,

und sprach:

»Ich habe dich lieber als alles auf der Welt;

komm mit mir in meines Vaters Schloß,

du sollst meine Gemahlin werden.«

Da freute sich Schneewittchen und ging mit ihm,

und ihre Hochzeit wurde mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet.


Zu dem Fest wurde aber auch Schneewittchens böse Stiefmutter eingeladen.

Als sie sich schöne Kleider angezogen hatte,

trat sie vor den Spiegel und sprach:

»Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die Schönste im ganzen Land?«

Der Spiegel antwortete:

»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,

aber die junge Königin ist noch tausendmal schöner als Ihr.«

Da fluchte das böse Weib, und wurde sehr ängstlich.

Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen;

doch ließ es ihr keine Ruhe,

sie musste hin und die junge Königin sehen.

Und wie sie hineintrat, erkannte sie Schneewittchen,

und vor Angst und Schrecken stand sie da

und konnte sich nicht regen.

Aber es waren schon eiserne Pantoffel über Kohlenfeuer gestellt

und wurden mit Zangen hereingetragen

und vor sie hingestellt.

Da musste sie die rotglühenden Schuhe anziehen

und so lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.

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Lieblingsmärchen der Brüder Grimm Автор: учитель иностранного языка МКОУ «Лип...
Jacob Grimm wurde und am 4. Januar 1785 in Hanau geboren. Wilhelm Grimm wurde...
Der süße Brei Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren...
Die Bremer Stadtmusikanten Es war einmal ein Mann, der hatte einen Esel, welc...
Rapunzel Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange...
Schneeweisschen und Rosenrot Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttc...
Der Hase und der Igel «Ich gehe spazieren», sagte der Igel. «Spazieren?», lac...
Die goldene Gans Es war ein Mann, der hatte drei Söhne, davon hiess der jüngs...
Das tapfere Schneiderlein An einem Sommermorgen sass ein Schneiderlein auf se...
Dornröschen Vorzeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag:...
  Schneewittchen Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor ihn trat u...
Hänsel und Gretel Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit sein...
Der Froschkönig Der Tag ist heiß. Wo ist die Königstochter? Sie sitzt an dem...
Rotkäppchen Es war einmal ein kleines süßes Mädchen. Jedermann hatte es lieb,...
Aschenputtel Es war einmal ein reicher Mann. Er hatte eine Frau und eine Toch...
Frau Holle Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißi...
Der gestiefelte Kater Es war einmal ein Müller, der hatte drei Söhne, seine M...
Die Sterntaler Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einm...
Rumpelstilzchen Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen,...
Mal sehen! Видеосказка «Золушка» - http://www.de-online.ru/index/bremenskie_m...
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№ слайда 1 Lieblingsmärchen der Brüder Grimm Автор: учитель иностранного языка МКОУ «Лип
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Lieblingsmärchen der Brüder Grimm Автор: учитель иностранного языка МКОУ «Липчанская ООШ» Вервекина Алла Анатольевна УМК любой Класс: 8-9

№ слайда 2 Jacob Grimm wurde und am 4. Januar 1785 in Hanau geboren. Wilhelm Grimm wurde
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Jacob Grimm wurde und am 4. Januar 1785 in Hanau geboren. Wilhelm Grimm wurde am 24. Februar 1786 in Hanau geboren. Sie schrieben „Die Kinder- und Hausmärchen“

№ слайда 3 Der süße Brei Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren
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Der süße Brei Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei, sooft sie wollten.

№ слайда 4 Die Bremer Stadtmusikanten Es war einmal ein Mann, der hatte einen Esel, welc
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Die Bremer Stadtmusikanten Es war einmal ein Mann, der hatte einen Esel, welcher schon lange Jahre unverdrossen die Säcke in die Mühle getragen hatte. Nun aber gingen die Kräfte des Esels zu Ende, so daß er zur Arbeit nicht mehr taugte.

№ слайда 5 Rapunzel Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange
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Rapunzel Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen.

№ слайда 6 Schneeweisschen und Rosenrot Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttc
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Schneeweisschen und Rosenrot Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttchen, und vor dem Hüttchen war ein Garten, darin standen zwei Rosenbäumchen, davon trug das eine weiße, das andere rote Rosen…

№ слайда 7 Der Hase und der Igel «Ich gehe spazieren», sagte der Igel. «Spazieren?», lac
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Der Hase und der Igel «Ich gehe spazieren», sagte der Igel. «Spazieren?», lachte der Hase. «Du könntest deine Beine schon zu besseren Dingen gebrauchen».

№ слайда 8 Die goldene Gans Es war ein Mann, der hatte drei Söhne, davon hiess der jüngs
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Die goldene Gans Es war ein Mann, der hatte drei Söhne, davon hiess der jüngste der Dummling und wurde verachtet und verspottet und bei jeder Gelegenheit zurückgesetzt.

№ слайда 9 Das tapfere Schneiderlein An einem Sommermorgen sass ein Schneiderlein auf se
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Das tapfere Schneiderlein An einem Sommermorgen sass ein Schneiderlein auf seinem Tisch am Fenster, war guter Dinge und nähte aus Leibeskräften. Da kam eine Bauersfrau die Strasse herab und rief: "Gut Mus feil! Gut Mus feil!"

№ слайда 10 Dornröschen Vorzeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag:
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Dornröschen Vorzeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: «Ach, wenn wir doch ein Kind hätten!», und kriegten immer keins.

№ слайда 11   Schneewittchen Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor ihn trat u
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  Schneewittchen Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor ihn trat und sich darin ansah, sprach sie: «Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?»

№ слайда 12 Hänsel und Gretel Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit sein
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Hänsel und Gretel Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel.

№ слайда 13 Der Froschkönig Der Tag ist heiß. Wo ist die Königstochter? Sie sitzt an dem
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Der Froschkönig Der Tag ist heiß. Wo ist die Königstochter? Sie sitzt an dem Brunnen. Was macht sie? Sie spielt mit einer goldenen Kugel.

№ слайда 14 Rotkäppchen Es war einmal ein kleines süßes Mädchen. Jedermann hatte es lieb,
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Rotkäppchen Es war einmal ein kleines süßes Mädchen. Jedermann hatte es lieb, am allerliebsten aber hatte es seine Großmutter. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Samt.

№ слайда 15 Aschenputtel Es war einmal ein reicher Mann. Er hatte eine Frau und eine Toch
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Aschenputtel Es war einmal ein reicher Mann. Er hatte eine Frau und eine Tochter. Einmal wurde seine Frau krank. Sie rief ihr Töchterlein zu sich und sprach: «Liebes Kind, bleib fromm und gut, und der liebe Gott wird dir immer beistehen».

№ слайда 16 Frau Holle Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißi
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Frau Holle Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule viel lieber, weil sie ihre richtige Tochter war.

№ слайда 17 Der gestiefelte Kater Es war einmal ein Müller, der hatte drei Söhne, seine M
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Der gestiefelte Kater Es war einmal ein Müller, der hatte drei Söhne, seine Mühle, einen Esel und einen Kater.

№ слайда 18 Die Sterntaler Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einm
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Die Sterntaler Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und es waren lauter blanke Taler…

№ слайда 19 Rumpelstilzchen Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen,
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Rumpelstilzchen Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll.

№ слайда 20 Mal sehen! Видеосказка «Золушка» - http://www.de-online.ru/index/bremenskie_m
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Mal sehen! Видеосказка «Золушка» - http://www.de-online.ru/index/bremenskie_muzykanty_na_nemeckom_jazyke/0-167

№ слайда 21 Источники Шаблон презентации - http://easyen.ru/load/metodika/k_prezentacijam
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Источники Шаблон презентации - http://easyen.ru/load/metodika/k_prezentacijam/shablony_kniga/277-1-0-2268 Тексты сказок - http://skazochnikonline.ru/index/schneeweisschen_und_rosenrot_jacob_and_wilhelm_grimm/0-2043 http://www.grimmstories.com/language.php?grimm=012&l=de&r=ru http://www.seiyaku.com/lit/grimm/ge/020.html http://www.de-online.ru/index/skazki_bratev_grimm/0-149 http://www.grimmstories.com/language.php?grimm=064&l=de&r=ru http://nekin.info/e45.htm Изображение «Сладкая каша» - http://sp07.ru/ollelukoe/images/stories/grimm/gorshoccashy/6.jpg Изображение «Бременские музыканты» - http://dreamworlds.ru/uploads/posts/2010-02/1267009546_brem1.jpg Изображение «Рапунцель» - http://bookre.org/loader/img.php?fbimg=20563_i_010.jpg Изображение «Белоснежка и Розочка» - http://s53.radikal.ru/i142/1202/81/38ffa446cc43.jpg Изображение «Заяц и еж» - http://yamama.ucoz.org/_pu/1/31666.jpg

№ слайда 22 Изображение «Золотой гусь» - http://dzherri.ru/uploads/posts/2014-02/13933206
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Изображение «Золотой гусь» - http://dzherri.ru/uploads/posts/2014-02/1393320602_zolotoj_gus.png Изображение «Храбрый портняжка» - http://www.bankreceptov.ru/pic/skazki-0078.jpg Изображение «Спящая красавица» - http://img1.liveinternet.ru/images/attach/c/5/88/177/88177573_tarrant_sleeping2.jpg Изображение «Белоснежка» - http://www.lil-miss.com/wp-content/uploads/2011/05/snowwhite1.jpg Изображение «Гензель и Гретель» - http://www.pandababy.co.ua/images/big12901.jpg Изображение «Король – лягушонок» - http://www.mirfentazy.ru/images/phocagallery/_p/princlyagushka7.jpg Изображение «Красная шапочка» - http://www.nocturnar.com/forum/attachments/literatura/81477d1356002785t-cuentos-de-hadas-de-hermanos-grimm-12301760-ilustracion-cuento-de-hadas-de-hermanos-grimm-caperucita-roja.jpg Изображение «Золушка» - http://dreamworlds.ru/uploads/posts/2011-11/1321454623_73323763_f_10_cinderella_stairway.jpg Изображение «Госпожа метелица» - http://babychild.org/images/skazki-bratev-grimm/babushka-metelica.jpg Изображение «Кот в сапогах» - http://www.nplakat.ru/portfolio/exposition/6_96788818.jpg

№ слайда 23 Изображение «Звездные талеры» - http://zdes-film.com/uploads/posts/2014-02/13
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Изображение «Звездные талеры» - http://zdes-film.com/uploads/posts/2014-02/1391745869_31ff591.jpg Изображение «Румпельштильцхен» - http://f4.mylove.ru/3ciC3PPC8cQbnWP.jpg Изображение «Портрет братьев Гримм» - http://www.tyt-skazki.ru/_ph/2/571368858.jpg Видеосказка «Золушка» - http://www.de-online.ru/index/bremenskie_muzykanty_na_nemeckom_jazyke/0-167 Изображение телевизора - http://skachatkartinki.ru/img/picture/Sep/24/f50be762f4ca3f12aa4e7d195ed82843/1.jpg



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Краткое описание документа:

Данный ресурс можно использовать в 8-9 классах во внеклассной работе. Учащиеся познакомятся с великими немецкими сказочниками, братьями Гримм, прочитают сказки на немецком языке. Презентация построена на основе гиперссылок: чтобы со слайда перейти к сказке, надо нажать на картинку. Материал способствует формированию интереса к немецкой культуре, вызывает интерес к предмету, решает учебные задачи: совершенствование навыка чтения и перевода. Также презентация содержит ссылку на видеосказку «Золушка».

Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen. Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter stand; er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hineinzugehen, weil er einer Zauberin gehörte, die grosse Macht hatte und von aller Welt gefürchtet ward. Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sah in den Garten hinab, da erblickte sie ein Beet, das mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war; und sie sahen so frisch und grün aus, dass sie lüstern ward und das grösste Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen.

 

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Дата добавления 02.03.2015
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Подраздел Презентации
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